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Weltgebetstag 2011 - Chile
Vorbereitungstreffen dazu siehe "Veranstaltungskalender"

Vorbereitungstreffen dazu siehe Veranstaltungskalender rechts unten. 

„Bin gut angekommen, alles in Ordnung“, so das kurze Mail einer Freundin aus Chile. Schön, dass ihre Rückreise problemlos geklappt hat. Sie war zwei Wochen bei uns in der Schweiz, hat bienenfleissig alle Aufträge erfüllt, welche ihre Institution ihr aufgetragen hat und ein klitze kleines Bisschen hatten wir Zeit füreinander, für Erinnerungen und auch für Tourismus. Bis wir uns wieder sehen werden, können Jahre vergehen.


Seit meinem Arbeitseinsatz in Chile sind schon viele Jahre vergangen. Die Freundschaften sind geblieben. So ganz anders, als uns über die Südamerikaner im Allgemeinen erzählt wird. Die Leute dort seien zwar herzlich, aber eben auch schnell im Vergessen von Freundschaften. Ob das so ist in anderen Ländern? Menschen aus Chile gehören auf keinen Fall dazu. Sie gehören auch nicht zu den sprichwörtlich unpünktlichen Latinos: Exakt wie die Uhr stehen sie da, wenn professionelle Abmachungen getroffen worden sind. Und sie sind fleissig. Für Familien sind die Lebenszeiten später als bei uns in der Schweiz. Kinder können schon mal erst um 23 Uhr ins Bett gesteckt werden, aber dafür beginnt der Arbeitsalltag etwas später. Vieles ist uns nah. Mögen es andere kritischer sehen, für mich ist Chile im positiven Sinn eine Art südamerikanische Schweiz mit Bergen und Seen, zurückhaltenden, aber herzlichen Menschen und viel Arbeit. Sie selbst bezeichnen ihren Süden als „die Schweiz Südamerikas“. Sogar das Matterhorn habe ich in einer chilenischen Agentur angetroffen als Reklame für die eigene Bergwelt.

Kirchlich sieht die «Landschaft» völlig anders aus als bei uns. Die grosse, und von den Medien als einzige Kirche wahrgenommene Konfession, ist der Katholizismus. Alles andere gilt der Öffentlichkeit als „Sekte“. Zwischen den evangelischen Richtungen wird kaum unterschieden. Die wenigen Lutheraner, die schnell wachsende Pfingstbewegung, Baptisten,  einheimische, aber auch vom Ausland stammende christliche Vereinigungen, die ganze reiche Vielfalt an Kirchen und kirchlichen Bewegungen werden gleich gesehen: Als nicht römisch-katholisch. In Chile gehört heute rund ein Fünftel der Bevölkerung zu den evangelischen Kirchen. Genaue Zahlen existieren nicht.

Viele Christen und Christinnen in der Schweiz haben das Gefühl, sie seien in den Augen ihrer Mitmenschen stigmatisiert, sobald sie das Wort „Gott“ in den Mund nehmen und darauf aufmerksam machen, dass sich in diesem Wort das ganze Leben ändert; nicht nur darin, wie es sich anfühlt, sondern auch darin, wie es abläuft: Leben wird zum Segen. So ängstlich viele von uns auf die diskreteste Nennung Gottes reagieren, so offen und ungeniert sprechen gerade Mitglieder von Pfingstkirchen, aber eigentlich alle Christen und Christinnen in Chile über ihren Glauben und ihre Beziehung zu Gott. Wie in Europa gibt es Menschen, die sich als Agnostiker und Agnostikerinnen bezeichnen, die zweifeln oder sogar militant jede Religion ablehnen. Aber das gehört zum Leben in Chile und ist genauso normal wie das leise gemurmelte Ave Maria in der Kirche oder die Gruppen von Gläubigen, die laut in den Strassen das Evangelium verkünden, ob ihnen nun jemand zuhört oder nicht.

Frauen tragen auch in Chile die Kirchen. Ohne sie gäbe es viel weniger Sozialarbeit, ohne ihre Arbeit und ihre Fürsorge sähen gerade die armen Barackenkirchlein elend aus. Frauen reinigen, schmücken, sammeln, ermutigen, unterrichten, setzen sich mit ihrer Umgebung auseinander. Aber in nur wenigen Kirchen ist es möglich, dass Frauen nicht nur Lesungen halten dürfen, sondern auch Sakramente spenden und in voller Verantwortung Gemeinden leiten.

Dass die ausgewählten Texte für den Weltgebetstag mit Brot zu tun haben, verwundert mich nicht. Noch klingen mir die Worte einer Chilenin in den Ohren, als sie nach langen Jahren im Ausland ihre Rückkehr nach Chile ankündete: „Erwartet mich mit einer Marraqueta in der Hand am Flughafen!“ Endlich wieder das richtige Brot essen können. Das ist Heimat!

Die Marraquetas gleichen unserem Tessinerbrot, sie sind weiss und weich und schmecken am besten ganz frisch. Viele Frauen kneten und backen das Pan amasado: runde, flache Brötchen, um es zu verkaufen. Es bleibt länger frisch als die Marraquetas und hat einen reichen Geschmack. Ich bin überzeugt, wäre die arme Witwe aus 1. Könige 17,8-16 eine Chilenin gewesen, dann wäre das letzte Brot, das sie für sich und ihren Sohn backen wollte, ein Pan amasado gewesen. 

Das Land in Dtn. 8,7-8 erinnert an Chiles fruchtbare „Kornkammer“. Der Landstrich von Santiago bis Puerto Montt garantiert reiche Ernten und bestes Mehl. Früchte und Gemüse gedeihen und vieles kann mehr als nur einmal geerntet werden. Hunger müsste niemand haben. Doch auch im Schwellenland Chile gibt es Armut und leere Mägen. Das macht betroffen. Am meisten machte mir in meiner Zeit in Chile zu schaffen, dass Reiche das Ausmass der Armut in den Slums nicht wahrhaben wollen. Ein Polizist erklärte mir mit offener Verachtung im Gesicht: „Bei uns in Chile gibt es keine Armen, es gibt Faule und Kriminelle.“ Reiche Menschen leben hinter hohen Zäunen in eigenen Siedlungen, an den Fenstern sind Gitter angebracht, in der Nacht bewachen Wächter mit scharfen Hunden die Grundstücke. Die vielen Menschen, die knapp das Existenzminimum verdienen, schützen genauso ängstlich ihren geringen Besitz vor noch viel Ärmeren. Chile ist nicht nur das längste Land der Welt mit den unterschiedlichsten Klimazonen. Es ist genauso vielschichtig und unterschiedlich, was Besitz, Bildung und Glauben betrifft. 

Seligpreisung auf Südamerikanisch
Halleluja, Halleluja für jene Menschen
Die besitzen und niemals vergessen,
dass andere Mangel leiden.
Die nie Gewalt anwendeten, sondern Vernunft.
Die ihre Hand ausstrecken, um den Menschen zu helfen,
die gefallen sind.
Diese Menschen sind selig, denn sie leben ganz nahe bei Gott

Halleluja, Halleluja für jene Menschen, die leben und in ihrem Leben Liebe zulassen,
für jene, die alles mit Liebe und Gerechtigkeit tun
Die nie Hass gesät haben und auch keinen Schmerz.
Die geben und nie nachtragen.
Diese Menschen sind selig, denn sie leben ganz nahe bei Gott.

Claudia Bandixen
 
Rezept für Pan amasado
Zutaten für 16 Brötchen:
• Mehl: 6 Tassen
• Salz: 1 Teelöffel
• Hefe: 32 Gramm
• Pflanzliches Öl (Sonnenblumenöl): 1/2 Tasse
• Zucker: ½ Teelöffel
• Wasser: 1 Tasse
Zubereitung:
Zeit: Ca. 1 Stunde 45 Minuten
Den Zucker mit 1/2Tasse laufwarmem Wasser mischen, die Hefe dazu geben und mischen.
Salz, Mehl und den Rest des Wassers in eine Schüssel geben und das Öl hinzufügen und mischen. Anschliessend die aufgelöste Hefe hinzufügen und gut kneten bis der Teig elastisch und glatt ist.
Aufgehen lassen und nochmals kneten.
Kleine, flache Teigkugeln formen und auf ein eingefettetes Blech geben.
Mit einem feuchten Tuch zugedeckt etwa 25 Minuten aufgehen lassen (bis die Brötchen die gewünschte Grösse haben).
Bei mittlerer Hitze 20-30 Minuten backen. Servieren.



Meldung verfasst von: Claudia Bandixen / Irmelin Kradolfer.


Aufgeschaltet am 13. September 2010.
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