Reverend Patricia Sheerattan-Bisnauth von der Presbyterianischen Kirche in Guyana, Exekutivsekretärin für Genderprogramme im Reformierten Weltbund mit Sitz in Genf, überreichte den mit 5000 US-Dollar dotierten Preis am 8. März in der reformierten Stadtkirche Aarau an die Theologieprofessorin Esther Mombo und die Dozentin Dorcas Chebet Wamalwa aus Kenia.
Das prämierte Projekt in KeniaIn Kenia werden Frauen systematisch von Führungspositionen in der Reformierten Kirche Ostafrikas und von der Pfarrordination ausgeschlossen. Der Sylvia-Michel-Preis 2009 geht an Professorinnen und Studierende in Kenia, die eine detaillierte Analyse der Situation von Frauen innerhalb der RCEA vornehmen. 80 Prozent der Arbeit in dieser Kirche werden von den Frauen erledigt, Pfarrämter und Kirchenleitung sind jedoch allein den Männern vorbehalten. Die Initiative will die drei Argumente, mit denen dieser Missstand begründet wird, hinterfragen: eine sehr konservative, traditionelle Auslegung einschlägiger Bibelstellen, die patriarchalisch geprägte Kultur der Stämme, die das nicht tolerieren würde, und die Kirchenverfassung, die nur für die Pfarrer eine Ordination erlaubt, die «biologisch männlich» sind.
Esther Mombo, Professorin für Kirchengeschichte am St. Paul’s College in Limuru und Dorcas Chebet Wamalwa, Dozentin am St. Philip’s College haben ein mehrphasiges Projekt zur Verbesserung der Stellung der Frauen entwickelt. Sie ermutigen Frauen in der kenianischen Kirche, Theologie zu studieren, obwohl sie nicht ordiniert werden und sich in Führungsaufgaben ausbilden zu lassen, damit sie «die Kirche von innen reformieren und von den leitenden Kirchenorganen Verbesserungen für die Frauen fordern können». Das sei besser, als «von aussen mit der Kirchenleitung zu streiten», erklärten die beiden Theologinnen ihr Vorgehen im Rahmen der Preisverleihung.
Mit der Unterstützung des Reformierten Weltbunds haben seit 2002 am St. Paul’s College in Limuru 15 Frauen theologische Abschlüsse erworben und sind meist besser qualifiziert als die Männer. Nun fordern sie auch die Ordination für sich und haben es zumindest erreicht, dass sich die Synode mit der Änderung der Kirchenverfassung befassen wird.
Die PreisverleihungClaudia Bandixen, Präsidentin der Reformierten Landeskirche Aargau, würdigte das Projekt: «Es handelt sich um ein nachhaltiges Projekt mit grossem Symbolwert und dem hoch angesetzten Ziel, die Verfassung der Reformierten Kirche Ostafrikas im Sinne der gleichen Würde von Mann und Frau umzugestalten.»
Die Namenspatronin des Preises, Pfarrerin Sylvia Michel, die 1980 zur ersten Kirchenratspräsidentin der Reformierten Aargauer Landeskirche und damit zur ersten Präsidentin einer Kirchenexekutive in Europa gewählt wurde, umarmte und beglückwünschte die Preisträgerinnen. Sie blickte auf ihre eigene Tätigkeit speziell im Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund und im Ökumenischen Rat der Kirchen und dessen umstrittenen Antirassismusprogramm in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts zurück.
An der feierlichen Preisverleihung und dem anschliessenden Essen nahmen Vertreterinnen von Frauenorganisationen, Landeskirchen, kirchlichen Organisationen und aus der Politik teil, vertreten durch die Aargauer Nationalratsmitglieder Doris Stump und Geri Müller. Müller richtete als Präsident der aussenpolitischen Kommission des Nationalrats ein Grusswort aus, Alt-Ständerat Ulrich Siegrist sprach als Präsident des Stiftungsrates von Brot für alle. Von kirchlicher Seite überbrachten Sybille Hardegger von der Leitung der Bistumsregion St. Urs und Pfr. Urs Zimmermann vom Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes Glückwünsche.
Der Sylvia-Michel-PreisDer 2007 international lancierte und nun erstmals verliehene Preis soll künftig alle zwei Jahre von einer anderen Schweizer Landeskirche verliehen werden. Das Engagement der Schweizer Kirchen geht darauf zurück, dass in den Spitzenpositionen der reformierten Kirchen der Schweiz die Gleichstellung der Frau so weitgehend realisiert ist wie in keinem anderen Kirchenverband weltweit.
Die Jury setzt sich aus den «amtierenden und nicht amtierenden Präsidentinnen der reformierten Kirchen der Schweiz» (PanKS) und einer Vertreterin des Reformierten Weltbunds zusammen. Sie haben aus 32 Bewerbungen aus aller Welt das Forschungsprojekt Frauenordination in Kenia ausgewählt. Der Reformierte Weltbund will in Folge der Preisverleihung zum Handeln zugunsten der Frauen aufrufen und damit auch gesamtgesellschaftliche Signale in Ostafrika aussenden.
Für weitere Auskünfte:
• Pfarrerin Claudia Bandixen, Präsidentin des Kirchenrates der Reformierten Landeskirche Aargau, Tel. 062 838 00 11, claudia.bandixen@ref-aargau.ch
• Kristine Greenaway, Executive Secretary, Communications, World Alliance of Reformed Churches, 150 route de Ferney, PO Box 2100, 1211 Geneva 2 , Switzerland, tel. +41 22 791 6243, Kristine.Greenaway@warc.ch
• Frank Worbs, Informationsbeauftragter, Tel. 079 444 97 82, info@ref-aargau.ch
Weitere Informationen zum Preis im Internet auf:
www.ref-ag.ch/bildung_theologie/frauen_maenner_gender/Sylvia-Michel-Preis.phpHintergrundDie weltweit einmalige Gleichstellung von Mann und Frau in den Leitungspositionen der reformierten Kirchen der Schweiz wurde in dem 2006 im Theologischen Verlag Zürich erschienenen Buch dokumentiert: «Wenn Frauen Kirchen leiten - ein neuer Trend in den reformierten Kirchen der Schweiz», mit einem Vorwort von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey.Seit 1980 leiten in der Schweiz auch Frauen reformierte Kirchen. 12 der 24 Kantonalkirchen haben oder hatten bereits Präsidentinnen. Acht Kirchen werden zurzeit von einer Frau geführt.
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