50 Jahre Rügel – «vielerlei Glück»
Glaubt man Geschichten und Episoden, die rund um den Rügel, das Tagungshaus mit Weitblick, ranken, so gab es in den letzten 50 Jahren in diesem Haus viele heitere, noch mehr glückliche, manch ernste und auch schwere Momente. Der Rügel, 1956 eröffnet, wurde gebaut, um Erholung, Gemeinschaft und Lernen zu pflegen. Der Rügel war am Anfang für viele Menschen Ferienort und Bildungshaus zugleich. Beeindruckend die Belegungszahlen aus jenen Jahren und die Anzahl der Teilnehmenden bei Tagungen zu verschiedensten Themen.
Das segensreiche Wirken des Hauses und der darin arbeitenden Menschen war Anlass, das fünfzigjährige Bestehen des Rügels zu feiern und sich der Bedeutung des Hauses in der Reformierten Landeskirche Aargau bewusst zu werden.
Vielerlei Glück hat das Haus vielen gebracht. «Vielerlei Glück» sollte das Jubiläum ausstrahlen – ein Motto, das die eher bodenständige, leistungsorientierte Mentalität der Reformierten herausfordern sollte.
Mit insgesamt elf Projekten, vom Besuch der Synode im Juni bis zum Glück jenseits von Grenzen und einem abschliessenden Gottesdienst in Seengen wurde eine reiche, breit gefächerte Palette an Themen und Angeboten vorbereitet und durchgeführt.
Das die Jubiläumstage im August begleitende Peace-Camp wie der Ländler-Brunch, der Festakt mit den höchsten Repräsentanen des Staates im Beisein von festlich gelaunten Gästen bis hin zu den Jubiläumsfahnen der Kirchgemeinden: Alle Projekte widerspiegelten die Vielfalt der Landeskirche.
Das Fahnenprojekt wurde zum Renner. 75% aller Kirchgemeinden im Kanton machten mit, bemalten und beschrieben das zugesandte Tuch, machten das Werk zum Gegenstand einer Feier in der Kirchgemeinde und besuchten dann «ihre Fahne» auf dem Rügel.
Die Vorbereitungen des Jubiläums leisteten Karin Büchli, Thomas Bornhauser, Christian Boss, Konrad Naegeli und Frank Worbs. Die Anlässe fanden ohne jegliche Zusatzinfrastruktur in den Räumen und in der Umgebung des Rügels statt. Beispielhaft war die Medienarbeit und dabei die farbige Jubiläumszeitung zum Thema Glück als Beilage in den kirchlichen Printmedien. Finanziert wurde diese Werbung durch professionelles Sponsoring.
Das Publikum kam - aber nicht erdrückend zahlreich. Die Nachfrage lag über pessimistischen Annahmen, aber es mussten auch Anlässe abgesagt werden. Resignation machte sich nicht breit aber Ernüchterung schon. Trotz bisher einmaligem Aufwand an Werbung und aktivierenden Projekten wie dem Fahnenprojekt war das Jubiläum des Rügels ein Ereignis unter vielen und wurde in der Reformierten Landeskirche zu wenig und in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.
Dem Wirken und der Bedeutung des Rügels im Rückblick wurde das Jubiläum gerecht. Der Blick in die Zukunft des Hauses erfordert Phantasie, Realitätssinn und Mut.
Konrad Naegeli, Kirchenrat