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«Der Rügel bleibt ein emotionales Thema» - Bericht vom 30. April
Titelte ein Zeitungsbericht, und er hat damit recht. Viele Menschen interessieren sich ganz persönlich für die Zukunft des Tagungshauses der Landeskirche Aargau. Das war auch am 30. April im Bullingerhaus in Aarau spürbar. Fast 80 Anwesende diskutierten an einem Gesprächsabend der Arbeitsgruppe Rügel speziell die Variante «Kompetenzzentrum in Partnerschaft». Um das Ziel dieses Abends und diese neue, dritte Variante zu verstehen, blicken wir kurz auf den Prozess der letzten Monate zurück.
Die kirchenrätliche Arbeitsgruppe beantragte im Dezember 2008 einstimmig «die Variante Kompetenzzentrum mit der Nebenaktivität Gasthaus» zur näheren Abklärung zu geben. Der Kirchenrat folgte diesem Antrag ebenso einstimmig.
Zur Abklärung gehören u.a. folgende Fragen:
Es gibt verschiedene Varianten resp. Ausrichtungen für das Arbeits- oder Themenfeld, in denen ein Kompetenzzentrum Rügel denkbar ist. Welches Thema passt zu unserer Kirche?
Welches sind die Probleme und Chancen eines Konzepts, das in thematischer Partnerschaft mit einer anderen Organisation entwickelt wird?
Welche finanziellen Konsequenzen ergeben sich daraus?
Welche zuverlässigen Partner kommen in Frage, die vergleichbare ethische Anliegen wie die reformierte Kirche vertreten und einbringen?
In den Monaten Januar bis März 2009 wurde geprüft, ob mögliche Partnerschaften überhaupt denkbar sind und welche für den Rügel in Frage kommen könnten. Die Überprüfung hat ergeben, dass eine Partnerschaft mit einem kirchennahen und seriösen Gegenüber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit möglich sein dürfte. Bei diesen Abklärungen handelt es sich um unverbindliche Sondierungen, mit denen kein Präjudiz geschaffen wurde.
Der Gesprächsabend im Bullingerhaus
Am 30. April konnte mit dem Gesprächsabend im Bullingerhaus der zweite Schritt zur Vertiefung der Idee eines «Kompetenzzentrums in Partnerschaft» auf dem Rügel in Angriff genommen werden. Ziel des Abends war es, die verschiedenen Möglichkeiten und Ausrichtungen der Variante «Kompetenzzentrum in Partnerschaft» zu überprüfen und dazu die Meinungen und Vorstellungen der Teilnehmenden zu erfahren. Die Einladungen wurden breit gestreut. Der Schwerpunkt des Abends lag nach einigen einführenden Beiträgen auf den Gruppenarbeiten. In sechs Arbeitsgruppen wurden die Reaktionen und Überlegungen der fast 80 Anwesenden eingeholt.
Arbeitsgruppen am Gesprächsabend am 30. April im Bullingerhaus
Die Gruppenleiterinnen und -leiter sind zurzeit dabei, die schriftlichen Voten - ergänzt durch die mündlichen Äusserungen - zu erfassen und auszuwerten. Speziell interessiert die Arbeitsgruppe: Welche weiteren Ideen sind eingebracht worden? Welche Kritiken und Hinweise wurden geäussert, welche weiterführenden Gedanken? Ohne der Auswertung vorgreifen zu wollen, ist schon jetzt deutlich: Der Abend hat vor allem aufgrund der Beiträge in den Arbeitsgruppen inhaltlich mehr gebracht als erhofft.
Wie geht es weiter?
Die bisher gestellten grundsätzlichen Fragen bleiben aktuell wie: Wie viel darf der Rügel kosten im Vergleich zum Gesamtbudget der Landeskirche und was muss er dafür leisten? Was ist der Rügel inhaltlich: eine Oase - ein Impulszentrum - ein «Heimetli» oder eine Liegenschaft zum Vermieten für Gruppen? Ist er Kernstück der Reformierten Landeskirche?
Sylvia Michel, die Aargauer Kirchenratspräsidentin von 1980 bis 1986, hat den Nagel wohl auf den Kopf getroffen, wenn sie sagt: «Solche Institutionen wie der Rügel haben Durststrecken und Blütezeiten. Damit muss man umgehen und immer wieder eine Form finden, die nachhaltig ist.» Sie sagte das mit realistischem Blick und ohne Bedauern, denn wenn sie vom Rügel spricht, dann redet sie - wie sie mit einem leisen Schmunzeln zugibt - von einer eigentlichen «Liebesgeschichte», so viele gute Erinnerungen verbinden sie mit diesem Ort.
Emotionen gehören zum Rügel, auch Zyklen von guten und schlechten Zeiten. Verschärft werden diese Zyklen heute durch die Dichte der Institutionen mit ähnlichen Angeboten und den hohen Ansprüchen welche die Menschen an solche Institutionen in jeder Beziehung stellen.
Bei den aktuellen Abklärungen geht es darum, der Synode realistische und gut abgeklärte Möglichkeiten zum Entscheid vorlegen zu können. Eine davon könnte der Rügel als «Kompetenzzentrum in Partnerschaft mit Nebenaktivität Gasthaus» sein. Das früheste Datum für einen ersten Entscheid der Synode ist die Novembersynode 2009. Ob dieser Wunschtermin eingehalten werden kann, hängt von den verschiedenen Instanzen und ihren Entscheiden ab.
Rücktritt der Arbeitsgruppe Rügel mit Zukunft
Die Arbeitsgruppe «Rügel mit Zukunft» hat am 18. Mai dem Kirchenrat mitgeteilt, dass sie ihre Zusammenarbeit mit der kirchenrätlichen Arbeitsgruppe Rügel mit sofortiger Wirkung einstellt. Der Präsident der Arbeitsgruppe, Paul Bopp, erklärt: «Wir werden von jetzt an andere, eigene Wege beschreiten, um der Sache des Rügels und somit unserer Kirche zu dienen.»
In der kirchenrätlichen Arbeitsgruppe Rügel war die Gruppe «Rügel mit Zukunft» eine von insgesamt sechs vertretenen Parteien zusammen mit den vier Synodefraktionen und der politischen Gemeinde Seengen. Die kirchenrätliche Arbeitsgruppe steht kurz vor dem Abschluss ihrer Arbeit und plant, Ende Juni ihre Resultate und Empfehlungen dem Kirchenrat zu übergeben.
Zeitplan der Synodevorlage
Im Juni schliesst die kirchenrätliche Arbeitsgruppe Rügel ihren Bericht ab und legt ihn mit konkreten Vorschlägen und Empfehlungen dem Kirchenrat vor. Im August lädt der Kirchenrat verschiedenen kirchliche Gruppen und Fachleute zu einer Anhörung zu den Vorschlägen der Arbeitsgruppe ein.
Auf dieser Grundlage diskutiert und verabschiedet der Kirchenrat im August die Synodevorlage. Damit geht die Vorlage in einen ausführlichen politischen Informations- und Diskussionsprozess im Vorfeld einer Synode. Am 10. November 2009 soll die Vorlage in der Synode beraten werden. Nachfolgeentscheide könnten dann noch im 2010 fallen.
Claudia Bandixen, Präsidentin der Arbeitsgruppe