Die sieben Projektskizzen, werden von der Arbeitsgruppe Rügel in drei Trägerschaftsmodelle eingeteilt werden: 1. «klassisches» kirchliches Tagungshaus in Alleinverantwortung betrieben, 2. Betrieb zusammen mit einem Partner in geteilter Verantwortung, 3. Abgabe der Verantwortung durch Verkauf oder Verpachtung. Für diejenigen Projekte oder Modelle, an denen die Reformierte Landeskirche massgeblich beteiligt ist und die öffentlich sind, hat die Einwohnergemeinde Seengen ihre politische Unterstützung zugesagt.
Betrieb des Tagungshauses in Alleinverantwortung
Die Landeskirche führt wie bisher ihr eigenes Tagungshaus als Gasthaus und Ort der Begegnung, wobei der Hotelleriebereich an einen Dritten verpachtet werden kann. Die Gesamtkosten für die Landeskirche belaufen sich auf 350'000 bis 450'000 Franken pro Jahr (150'000 bis 200'000 Franken für die Haus- oder Studienleitung, 200'000 bis 250'000 Franken für die Betriebskosten). Einige Infrastrukturanpassungen sind nötig, die von der Landeskirche finanziert werden müssen.
Das Umfeld mit 40 Tagungshäusern in der ganzen Schweiz mit ähnlicher Ausrichtung, davon 2 in nächster Nähe (Herzberg und Wislikofen) verlangt eine klare Positionierung und Unterscheidung des Leistungsangebotes von anderen, wie z.B. von Ordensgemeinschaften, die mit vergleichbarem Profil in wachsender Zahl auf den gleichen Markt drängen. Aufgrund seiner einmaligen Lage kann der Rügel nicht nur als Tagungshaus, sondern auch als Gasthaus positioniert werden.
Das Modell «geteilte Verantwortung»
Der Rügel würde zukünftig als Tagungshaus mit einem speziellen Themenschwerpunkt betrieben, der aus der Zusammenarbeit mit einer Partnerorganisation resultiert. Dabei soll der Rügel auch weiterhin für die Öffentlichkeit und kirchliche Aktivitäten im Sinne eines «Gast-Hauses» zugänglich bleiben. Die Landeskirche bleibt alleinige Besitzerin von Land und Immobilien. Der Gastronomiebereich kann wie bisher durch einen Dritten abgedeckt werden. Personal- und Betriebskosten werden von der Landeskirche und dem Partner aufgeteilt und gemeinsam getragen. Nötige bauliche oder infrastrukturelle Anpassungen werden gemeinsam geplant und finanziert. Das Betriebskonzept muss landschafts- und verkehrsverträglich sein
Von zentraler Bedeutung für das Gelingen dieses Modells ist das Finden des «richtigen» Partners - der bezüglich Ausrichtung, partnerschaftlicher Vorstellungen und finanzieller Tragkraft zur Landeskirche passt. Das ist nicht einfach. Die Aktivitäten auf dem Rügel müssten mit den übrigen landeskirchlichen Aktivitäten sinnvoll koordiniert werden können. Das Zielpublikum würde durch die Partnerorganisation erweitert, was zu einer Verbesserung der Auslastung und der finanziellen Situation führen dürfte.
Um herauszufinden, ob es überhaupt Organisationen gibt, die an einer Partnerschaft mit der Landeskirche interessiert sind, wurden nach einer Vorauswahl aus 95 möglichen Organisationen 39 Organisationen unverbindlich angefragt. Von diesen 39 sind 3 Organisationen an einer Partnerschaft grundsätzlich interessiert. 6 Organisationen sind unentschieden, aber an weiteren Gesprächen interessiert. 5 Organisationen können sich zwar eine Zusammenarbeit, aber keine Partnerschaft vorstellen. 6 Organisationen sind nicht interessiert und 19 haben gar nicht reagiert.
Verkauf oder Verpachtung
Die Einschränkungen der Nutzung durch das Hallwilersee-Schutzdekret verhindern weitgehend eine Nutzung durch Private. Eine neue Trägerschaft muss eine öffentlich-rechtliche Organisation sein, z.B. eine Kirchgemeinde, eine politische Gemeinde oder der Kanton. Eine den neuen Bedürfnissen angepasste Nutzung wäre nur durch die Errichtung einer Sonderzone möglich. Da die Liegenschaften mit sehr einschränkenden Servituten belastet sind, wird der realisierbare Erlös voraussichtlich eher eingeschränkt sein. Weil die Betriebskosten wegfallen, würden aber auf jeden Fall finanzielle Mittel für andere Aufgaben der Landeskirche frei. Der Rügel als Ort der Begegnung und Gasthaus geht damit verloren.
Zukünftige thematische Ausrichtung des Rügels
Für den zukünftigen Betrieb des Rügels erscheint in jedem Fall eine Fokussierung auf einen Themenschwerpunkt sinnvoll und nötig, unabhängig davon, ob die Kirche die Verantwortung alleine tragen oder mit einem Partner teilen will. Die Arbeitsgruppe hat deshalb verschiedene thematische Schwerpunkte genauer analysiert und geprüft, ob die Idee einer Partnerschaft realistisch ist. Unter Berücksichtigung einer grundsätzlichen Ausrichtung auf «Menschenrechte und Menschenwürde» wurden die in den sieben Projektskizzen enthaltenen Themen zu drei Schwerpunkten verdichtet: 1. Jugendarbeit, 2. Kirche und Wirtschaft, 3. Sozial- und Drittweltproblematik.
An einem Informations- und Gesprächsabend am 30. April 2009 mit 80 Personen wurde die Idee des Betriebs zusammen mit einem Partner vorgestellt und in Gruppen diskutiert. Aufgrund der Rückmeldungen der Anwesenden rückten die beiden Schwerpunkte «Jugendarbeit» und «Kirche und Wirtschaft» ins Zentrum.
Die Differenzierung im Bereich «Jugendarbeit» ergab Aspekte wie Integrationsarbeit bezogen auf unterschiedliche Kulturen und Religionen, spezifische Fragestellungen zum Verhältnis der Generationen, besondere Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kirchgemeinden.
Im Bereich «Kirche und Wirtschaft» wurden Aspekte genannt wie praktische Umsetzung ethischer Grundwerte in Kirche, Gesellschaft und Wirtschaft, Nachhaltigkeit sowie Mensch und Umwelt.
Empfehlung des Kirchenrates
Die Variante Verkauf oder Verpachtung hat sich in den Evaluationen als schwächste Variante erwiesen. Der Kirchenrat empfiehlt der Synode als Grundsatzentscheid die Variante «Geteilte Verantwortung». Falls das Trägerschaftsmodell «Geteilte Verantwortung» von der Synode abgelehnt wird, wird der Rügel als Gästehaus und Veranstaltungsort weitergeführt.
Falls die Synode beschliesst, den Rügel zukünftig nach dem Trägerschaftsmodell «Geteilte Verantwortung» zu betreiben und den Kirchenrat entsprechend beauftragt, werden mit möglichen Partnern Verhandlungen aufgenommen. Im Juni 2010 spätestens aber im November 2010, würden der Synode eine oder mehrere Partnerschaften zur Diskussion und zum Beschluss vorgelegt.