Heinrich Bullinger: 1504–1575
Heinrich Bullinger wurde 1504 als Sohn eines angesehenen Priesters und Dekans in Bremgarten geboren. Nach Studien in Emmerich und Köln wurde er mit 18 ½ Jahren Lehrer an der Klosterschule in Kappel. In Köln hatte er sich auf Grund seiner Studien der Kirchenväter und einiger reformatorischer Schriften ganz persönlich für die Reformation entschieden und lehrte diese Überzeugung mit der Unterstützung des Abts Joner auch in Kappel.
Bald lernte er Zwingli kennen und die beiden schätzten und achteten sich trotz des deutlichen Altersunterschiedes sehr. Nach einem "Studienurlaub" an der Prophezei in Zürich, wo er auch seine zukünftige Frau kennen lernte, übernahm er 1529 das Pfarramt seines Vaters im inzwischen ebenfalls reformierten Bremgarten. Nach der Niederlage der Reformierten im 2. Kappelerkrieg musste er das Städtchen im Herbst 1531 fluchtartig verlassen.
Bullinger kam als Flüchtling in Zürich an – und wurde wenige Wochen später vom Stadtrat gebeten, die Leitung der Zürcher Kirche als Nachfolger des in Kappel gefallenen Zwingli zu übernehmen mit der Bedingung, dass sich die Kirche aber nie mehr in die Politik einmischen dürfe. Bullinger erbat sich Bedenkzeit und nahm schlussendlich die Berufung an unter der Bedingung, dass die Pfarrer sich zwar nicht mehr politisch engagieren sollten, die Verkündigungsfreiheit aber nicht eingeschränkt werde - und wenn dabei Kritik an der Obrigkeit nötig sei.
Der Stadtrat akzeptierte diese Bedingung und Bullinger blieb Leiter der Zürcher Kirche und Pfarrer am Grossmünster bis zu seinem Tod 1575. In dieser Zeit festigte er die Reformation in Zürich und der Schweiz, führte in der Zürcher Einigung Zwinglianer und Calvinisten zusammen und schrieb mit dem 2. Helvetischen Bekenntnis nicht nur sein persönliches theologisches Vermächtnis, sondern die Grundlage für viele reformierte Kirchen (bis Ungarn und Südkorea). 10'000 Briefe belegen seine vielen Beziehungen mit Pfarrern, Kirchenleitungen und sogar Herrscherhäusern. Bullinger war auch ein ausgezeichneter Historiker, Publizist (er gilt als Vorgänger des Journalismus), Redner und Lehrer.
Mit seiner Frau Anna, geb. Adlischwyler, hatte er elf Kinder. Sie pflegten aber auch grosszügige Gastfreundschaft, so dass immer viele Gäste, Studenten und Freunde ein und aus gingen und oft auch bei Bullingers wohnten. Bullinger hat wohl eines der ältesten "Eheberatungsbücher" geschrieben, ein Bestseller vor allem im damaligen englisch sprachigen Raum.
Bullinger war vor allem anderen Prediger und Seelsorger. Seine Lehrpredigten wurden gedruckt und in viele Sprachen übersetzt. Sie zeugen von seinem theologischen Denken, seiner Einfühlsamkeit und seinem Willen, immer wieder Brücken zu schlagen und zu versöhnen. Diese Persönlichkeit soll gewürdigt und reflektiert, ihr Wirken und ihre Wirkung aber auch in die Gegenwart übertragen werden.