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«Sturmzeit» – der Inhalt des Buches
Sturmzeit – Die Evangelisch-Reformierte Landeskirche des Kantons Aargau 1933–1948

Baden (hier+jetzt) 1999, ISBN 3-906419-07-X.
Das Buch (112 Seiten, broschiert, 32 Abbildungen) ist zum Preis von Fr. 24.– im Sekretariat der Landeskirche und im Buchhandel erhältlich.

In "Sturmzeit", wie der Titel in Anspielung auf eine zeitgenössische Metapher lautet, geht es um die Zeit zwischen 1933 und 1948, die geprägt war vom Nationalsozialismus und Faschismus, vom heissen und vom kalten Krieg. Das Buch bietet keine spektakulären Geschichten und deckt keine skandalösen Beziehungen auf. Die Autorin beleuchtet in drei Teilen die stilleren Alltagsseiten und versucht, ein vertieftes Verständnis für das Handeln der damaligen Verantwortlichen zu wecken.

Im ersten Teil sind die materiell sichtbaren Veränderungen der Landeskirche dargestellt. Sei war erst 1927 formal unabhängig geworden und die Kirchenräte waren damit beschäftigt, eine innerkirchliche Infrastruktur aufzubauen und die Beziehungen zu den Gemeinden an die veränderten Verhältnisse anzupassen. Es gab viel zu tun, sowohl im Kanton wie auch auf nationaler Ebene und diese Aufgaben hatten grosses Gewicht in der kirchenpolitischen Traktandenliste.

Der zweite Teil des Buches geht auf die unsichtbaren Bestandteile des kirchlichen Alltags ein, die Ideologien ("Geistige Landesverteidigung"), theologischen Auseinandersetzungen (die sogenannten "Richtungskämpfe"), den Konflikt zwischen den Konfessionen und die politischen Strömungen im Kanton Aargau. Sie prägten Denken und Handeln der Pfarrer und Mitglieder der Kirchenpflegen.

Der dritte und längste Abschnitt geht unter dem Titel "Feuerherzen" anhand zahlreicher Beispiele auf das Engagement von Aargauerinnen und Aargauern für ihre Mitmenschen ein. Ausschnitte aus dem "Kirchenboten" zeigen, wie man sich hier mit dem Schicksal von jüdischen Flüchtlingen auseinandersetzte. Die kantonale Berichterstattung wird mit der nationalen Auseinandersetzung verglichen. Darüber berichten und verhandeln war das eine, die reale Anwesenheit von ausländischen Männern, Frauen und Kindern das andere. Im Kanton Aargau bestanden zwischen 1940 und 1946 in 76 aargauischen Ortschaften ungefähr achtzig Arbeits- und Interniertenlager. Anhand eines Beispiels ist das menschliche und politische Engagement einzelner für Flüchtlinge und Internierte dargestellt.

Grosse Solidarität in der Bevölkerung lösten die Aufrufe für die Nachkriegshilfe in Deutschland aus. Im Aargau sammelte die Kirche noch bis in die fünfziger Jahre Geld und Naturalien, die sie in die deutschen Nachbargemeinden schickte.

Der letzte Abschnitt behandelt die Zeit zwischen 1945 und 1948, eine Zeit, die von Kontinuitäten aus den Kriegsjahren ebenso geprägt war, wie vom sich abzeichnenden Kalten Krieg. Die Kirchen intensivierten ihre Hilfeleistungen und wurden zu verlässlichen Partnerinnen beim Wiederaufbau Europas.

"Sturmzeit" soll einen Beitrag zur begonnenen Auseinandersetzung leisten, die nicht auf bekannten Clichés aufbauen und alte Vorwürfe wiederholen soll. Das Buch soll anregen zum weiterdenken, zum wachen Blick auf die eigene Zeit und den (politischen) Alltag, in dem wir stehen.