Radio Argovia «90 Sekunden»: Geldregen als Segen? - Reformierte Landeskirche Aargau


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Geldregen als Segen?

Wollten sie nicht auch schon immer mal einen riesigen Haufen Geld in der Hand halten? Fahren sie nach Usbekistan. Für 200 Euro bekommt man da etwa ein halbes Kilo Banknoten im Volumen einer Milchpackung in die Hand gedrückt. Stellen sie sich mal vor, was das im Alltag heisst, wenn sie unter diesen Umständen vielleicht eine grössere Anschaffung tätigen möchten, zum Beispiel den Kauf einer typisch usbekischen Intarsientruhe, gefertigt in kunstvoller Handarbei,t oder einen schönen geknüpften Seidenteppich. Da brauchen sie ja etwas mehr Geld, denn die Herstellung solcher Kostbarkeiten dauert immerhin ein ganzes Jahr. Bei einem Kaufpreis von ein- bis zweitausend Euro könnten sie also bereits einen ganzen Koffer mit usbekischem Geld füllen.

Der Usbeke trägt drum auch normalerweise eine Männerhandtasche mit sich herum. Weil ein einigermassen vernünftiger Geldbetrag im Portemonnaie schlicht keinen Platz hat. Und wie kauft sich der Usbeke wohl ein Haus? Wird er den Kaufpreis gleich mit einem zum Umzug sowieso benötigten Transporter einfach voll beladen mit Geld begleichen? Wohl nicht, denn die dicken Geldbündel und die hohe Inflation ist sind nicht Zeichen von Reichtum sondern Ausdruck von ökonomischem Zerfall. In solch einer Situation kauft man keine neuen Häuser.

Eigentlich ist Usbekistan ja ein reiches Land, nicht wegen der Geldberge, sondern wegen der Bodenschätze. Die Geldberge, die sich aus deren Verkauf anhäufen, also richtiger Reichtum, den behält die Regierung allerdings lieber für sich, während sie die Bevölkerung mit wertlosem Spielgeld eindeckt und in Armut hält. Denn, wer zwar zu viel zum Sterben aber eben auch zu wenig zum Leben hat, muckt nämlich nicht auf; er ist mit anderem beschäftigt. Wie sich so ein System der Unterdrückung anfühlt, davon erzähle ich ihnen nächste Woche.




AutorIn: Jan Tschannen

Gesendet am 29. Juli 2013


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Aufgeschaltet am 29. Juli 2013
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