Wörter können verstauben wie Dokumente in alten Archiven oder verrussen
wie Kapellen und Kathedralen. Aber unter Staub und Russ findet sich
Wahres, Gutes und Schönes. Das gilt auch für den Eidgenössischen Dank-,
Buss- und Bettag.
Danken ist eine Haltung, die Hände öffnet. Wer dankt, empfängt, was
gegeben wird. Dank bejaht Leben. Alles Leben. Und das, was Leben in
Gesichtern formt. Dankbarkeit ist Aufmerksamkeit, die am alten
Birnbaum, der noch Früchte trägt, nicht einfach vorübergeht. Die
Ameise, die bei diesem angehaltenen Schritt über die Schuhe klettert,
muss von einem dankbaren Menschen nicht fürchten, zerquetscht zu
werden. Dank sieht im Leben mehr als eine chemische Verbindung.
Dankbarkeit bestimmt Leben nicht als Produkt aus Kühlschränken mal
Surround TV. Wer danke sagt, bringt damit den Glauben zum Ausdruck,
Wesentliches sei ein Geschenk und nicht ein Erzeugnis. Danken ist eine
Haltung, die Hände öffnet. Wer dankt, schliesst nicht aus, dass alle
Jahreszeiten, Tage und Nächte dem Leben etwas zu geben haben. Danken
ist eine Haltung, die der Gesellschaft und dem Staat Halt geben.
Busse ist ein Wort, das sowohl die Kirchen, als auch das
Bewusstsein der Gesellschaft verlassen hat. Im Alltag ist Busse eine
Geldsache, die mehrheitlich mit dem Strassenverkehr in Verbindung
gebracht wird. Wenn schon, so wäre es richtiger, nach Umkehren zu
fragen. Noch einmal neu und anders anfangen. Umkehren und sich über die
eigene Mitte, statt über die Interessen von anderen bestimmen. Wege
wagen, die Leben der Ausbeutung vorziehen. Pfade suchen, denen Pflanzen
wichtiger ist als Herstellen. Umkehr nimmt sich Zeit. Geht zurück. In
der anderen Richtung. Schritt für Schritt. Nicht flüchtend. Bewusst.
Wach. Kritisch. Die Ahnung der eigenen Begrenztheit wird nicht
abgewehrt. Umkehr ist sich gewiss: Immer gibt es die Chance eines neuen
Anfangs.
Beten heisst reden, wenn ein Wort geboten ist. Gebet ist der Mut,
das Schweigen zu brechen. Wer betet, erzählt, was vorgeht. Erzählt,
ohne schön zu reden oder schlecht zu machen. Gebet ist Rede, die
aufrichtet und gerade gehen hilft. Wer betet, bringt unbeirrbar
diejenigen ins Gespräch, welche durch Schweigen noch einmal umgebracht
worden sind. Gebet behält die Erinnerung wach. Ohne Waffe und
gewaltlos. Vergisst nicht den am Kreuz Gehängten. Gefoltert von
Elitetruppen. Von ihm und anderen ist zu lernen, dass beten reden und
reden beten ist.
Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ein Anstoss, mit drei
Haltungen aus mehr als nur der christlichen Religion dem Leben in Staat
und Gesellschaft, dem Zusammenhalt von Lebendigem Kraft und Zukunft zu
ermöglichen.
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Meldung verfasst von: ria / Frank Worbs.
Aufgeschaltet am 31. August 2006.
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