Bericht von der Synode am 15. November 2005 in Aarau - LANGE VERSION
Es war eine bewegende, mit viel Engagement geführte Diskussion, mal
emotional, mal in theologischen Bildern und immer wieder von Applaus
der einen oder anderen Seite unterbrochen. Dreieinhalb Stunden
diskutierten die Synodalen der Reformierten Landeskirche Aargau an der
letzten Sitzung der Ende 2007 ablaufenden Amtsperiode über die heiss
umstrittene Verpflichtung aller Aargauer Kirchgemeinden, den
Kirchenboten an alle reformierten Haushaltungen zu verteilen und das
Reglement für die Herausgabe der Mitgliederpublikation.
Die Übernahme der Herausgabe des Kirchenboten selbst war kaum
bestritten und wurde einstimmig beschlossen. Der jetzige Verein zur
Herausgabe des Aargauer Kirchenboten mit Sitz in Brugg hat diese
zusammen mit 700 000 Franken Finanzreserven der Landeskirche angeboten.
Das gute Einvernehmen zwischen Landeskirche und Kirchenboten, das für
Reformierte in anderen Kantonen durchaus nicht selbstverständlich ist,
wurde in vielen Voten positiv vermerkt.
Dass der Kirchenbote ausserdem von allen Kirchgemeinden an ihre
Haushalte verteilt werden soll, stiess dagegen vor allem bei den
Gemeinden ohne Kirchenbote auf Widerstand. 57 Gemeinden haben ihn
abonniert, 19 geben eigene oder gar keine Gemeindeblätter heraus. Zwar
wurde die Wichtigkeit der Vielfalt reformierter Stimmen im Kirchenboten
neben den Gemeindeblättern anerkannt, auch die Notwendigkeit einer
gemeinsamen Mitgliederzeitung, aber die damit verbundenen finanziellen
Belastungen schreckte viele Synodale ab. Sie fürchteten, dass die
eigenen, gern gelesenen und mit viel Einsatz produzierten
Gemeindeblätter untergehen könnten. Kirchenratspräsidentin Claudia
Bandixen und Kirchenrat Urs Karlen, die das Geschäft vertraten,
betonten, dass beides nötig sei und nebeneinander Platz haben sollte.
Brigitte Huwiler, Synodale und Vizepräsidentin des Kirchenbotenvereins,
wies auf die vielen Mitglieder hin, die zwar Steuern zahlten aber nie
einen Anlass der Kirchgemeinde besuchten. Um ihnen ein lebendiges Bild
von ihrer Kirche am Ort, im Kanton und darüber hinaus zu vermitteln und
wertvolle Beiträge zu aktuellen Fragen aus christlicher Sicht nahe zu
bringen, seien diese Gelder sicher sinnvoll eingesetzt.
Änderungsanträge von Roland Frauchiger, Thalheim, und Jörg Bell,
Rheinfelden, die den Kirchenboten ihren Mitgliedern lediglich anbieten
oder auf Wunsch zustellen wollten, wurden abgelehnt. Zum Schluss
entschied sich die Synode mit 89 gegen 63 Stimmen für die
Verbindlichkeit.
Dafür rang sie bei der Frage der Finanzierung des Kirchenboten dem
Kirchenrat einen ursprünglich nicht vorgesehenen jährlichen Beitrag von
150 000 Franken aus der Zentralkasse der Landeskirche ab, mit dem die
Abonnementskosten gesenkt werden sollen. So soll den heute nicht
abonnierten Kirchgemeinden, die eine Frist von zwei Jahren bis zur
Einführung des Kirchenboten haben, der Übergang etwas erleichtert
werden. Von dieser Subvention abgesehen wurde aber am Grundsatz, dass
sich der Kirchenbote vor allem aus den Abonnementszahlungen der
Kirchgemeinden finanziert, nicht gerüttelt.
In der nachfolgenden Diskussion über das neue landeskirchliche
Reglement zur Herausgabe einer Mitgliederpublikation gab es
zwischenzeitlich eine solche Flut von Anträgen, dass einige Synodale
mit einer Vertagung der abschliessenden Abstimmungen auf die Synode im
Juni 07 liebäugelten. Synodepräsident Urs Zimmermann aber managte die
verschiedenen Anträge in gewohnter Souveränität, so dass er in der
letzten Synodesitzung, die er präsidierte, auch das Reglement am späten
Nachmittag noch unter Dach und Fach bringen konnte. Die Änderungen
betrafen vor allem den Wahlmodus der Verlags- und Redaktionsleitung
sowie der zehn Mitglieder der Herausgeberkommission, von denen die
Synode fünf wählt. Urs Zimmermann wurde dann am Schluss der Synode auch
mit viel Applaus für seine vier Amtsjahre verabschiedet.
Zuvor würdigte Zimmermann die ebenfalls Ende 2007 zurücktretende
Kirchenrätin Therese Wagner und dankte ihr für die Leistungen in ihren
zwölf Amtsjahren in der Exekutive der Landeskirche.
Budget 2007 und Erhöhung der Minimalbesoldungen
Die anderen Synodegeschäfte gingen durchwegs ohne Änderungen und
ausführliche Diskussionen über die Bühne. Der ausgeglichene Voranschlag
2007 der Zentralkasse der Landeskirche mit einer Gesamthöhe von 10 847
400 Franken bei einem unveränderten Zentralkassenbeitrag der
Kirchgemeinden von 2,4% der Steuereinnahmen wurde einstimmig genehmigt.
Der vom Kirchenrat vorgelegte Finanzplan 2007 - 2010 geht entgegen dem
zuletzt vorgelegten von einem gleich bleibenden Zentralkassenbeitrag
der Kirchgemeinden in den nächsten vier Jahren bei einem leichten
Rückgang der Einnahmen um ca. 200 000 Franken aus. Für die
Mindestbesoldungen der Angestellten in den Kirchgemeinden bewilligte
die Synode den vom Kirchenrat vorgeschlagenen vollständigen Ausgleich
der Teuerung mit einer Erhöhung um 1,4%.
Engagment an der Fachhochschule Nordwestschweiz
Auch die von der Reformierten und Römisch-katholischen Landeskirche
geplante Fachstelle am Standort Brugg der Fachhochschule
Nordwestschweiz wurde einhellig begrüsst, weil die Kirche so junge
Menschen in der wichtigen Phase der Berufsausbildung speziell begleiten
und beraten, aber auch mit ethischen Bildungsangeboten präsent sein
könne.
Dazu wird eine ökumenische «Fachstelle Religion, Wirtschaft,
Technik» mit einem Umfang von 60 Stellenprozenten in Brugg/Windisch
geschaffen. Der Leiter oder die Leiterin der Stelle soll Studierende
und Dozierende seelsorgerlich begleiten sowie religiöse Angebote
schaffen. Bei den Aus- und Weiterbildungsmodulen soll unter anderem ein
kontinuierliches Lehrangebot im Bereich Ethik und Religion eingerichtet
werden.
Kirchenordnung wird revidiert
Ebenfalls ohne grosse Diskussion bewilligte die Synode die
Gesamtrevision der Kirchenordnung, der gesetzlichen Grundlage der
Reformierten Landeskirche Aargau, die nach ca. 30 Jahren und vielen
Eingriffen einem Flickenteppich gleiche, wie der Präsident der
Geschäftsprüfungskommission, Georg Gremlich, in seinem Eintrittsvotum
erklärte. Bei manchen Fragen weise sie auch Gesetzeslücken auf. Der
Kirchenrat legte der Synode ein detailliertes Konzept für die
Organisation und den zeitlichen Ablauf der Revision mit Gesamtkosten
von 190 000 Franken vor. 2009 soll die neue Kirchenordnung zur
Verabschiedung vorliegen.
Schliesslich beschloss die Synode den Beitritt der Reformierten
Landeskirche als Trägermitglied zum Verein «Ökumenischer
Seelsorgedienst für Asylsuchende der Region Basel» (OeSA). Der OeSA
begleitet Menschen, die während der Bearbeitung ihres Asylantrags im
Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel wohnen. Vier Seelsorgerinnen aus
verschiedenen Kirchen sowie etwa 20 freiwillige Mitarbeitende stehen in
einem Pavillon direkt neben dem Basler Empfangszentrum für Gespräche
und Beratungen mit allen Asylsuchenden ungeachtet ihrer Herkunft,
Konfession bzw. Religion bereit.
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Meldung verfasst von: ria / Frank Worbs.
Aufgeschaltet am 16. November 2006.
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