Der dunkle Schatten einer Frau vor einem hellen, vergitterten Fenster auf einer der insgesamt 22 Tafeln symbolisiert das bedrückende Thema. Mit jeder Bild- und Texttafel führt die Ausstellung «Ohne Glanz und Glamour» die Besucherinnen und Besucher tiefer in eine Dunkelzone hinein, die auch Schweizer Realität ist.
Auch die den Menschenrechten verpflichtete Schweiz, so erfährt man, ist Durchgangsstation und Ziel des internationalen Frauenhandels. Armut und mangelnde Perspektiven, manchmal auch falsche Vorstellungen vom Leben und Arbeiten hierzulande, lassen junge Frauen aus Osteuropa, Lateinamerika, Asien und Afrika an Mittelsmänner oder Agenturen geraten, die seriöse Arbeit versprechen. Sie verkaufen die Frauen an Bordelle, wo sie zur Prostitution gezwungen werden. Laut Schätzungen – gesicherte Zahlen gibt es nicht – arbeiten 1500 bis 3000 Frauen jährlich aufgrund von Täuschungen, falschen Versprechungen oder Zwang als Prostituierte in der Schweiz.
Da ihnen Pass und Handy weggenommen werden und sie kein Geld, keine Kontakte und keine Verständigungsmöglichkeit haben, sind diese Frauen ihren modernen Sklavenhaltern ausgeliefert. Sie werden gezwungen, angebliche Schulden für die Vermittlung, den Transport oder den für sie bezahlten Preis abzuarbeiten. An die Polizei können sie sich nicht wenden, da ihnen wegen illegalen Aufenthaltes Gefängnis oder Ausschaffung droht. Ausserdem werden sie von ihren Zuhältern ständig überwacht.
Die Kirche soll Licht in das Dunkel dieser Abgründe bringen
«Als Kirche ist es uns nicht egal, dass es Zwangsprostitution in der Schweiz gibt. Deshalb findet diese Ausstellung in einer Kirche statt», sagte Marianne Reifers, Pfarrerin der reformierten Kirchgemeinde Bremgarten-Mutschellen, in ihrer Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag in der Kirche Mutschellen. «Diesen Frauen muss geholfen werden. Die Ausstellung will informieren und sensibilisieren. Die Kirche will Hand dafür bieten», so Reifers. Die Kirchgemeinde sei froh, dabei vom Kirchenrat und den landeskirchlichen Fachstellen unterstützt zu werden.
Kirchenrätin Myriam Heidelberger machte die Position der Landeskirche in ihrem Grusswort klar: «Die Reformierte Landeskirche möchte Licht sein für die, die im Dunkeln sind». Um mehr Licht in die dunklen Abgründe von Frauenhandel und Zwangsprostitution zu bringen, erhebe die Reformierte Landeskirche genauere Daten für den Kanton Aargau. Die Resultate dieser Datenerhebung könnten erschreckend sein, meinte Heidelberger, «aber diese Frauen und Mädchen verdienen unsere Aufmerksamkeit, unser Gehör und unsere Stimme». Deshalb wünschte sie der Ausstellung noch viele Menschen, die sie besuchen.
Die Ausstellung «Ohne Glanz und Glamour» ist noch bis zum 26. Januar in der Reformierten Kirche Mutschellen, Widen, täglich von 9 bis 17 Uhr zu sehen. Auch abends und sonntags ist ein Besuch nach Absprache mit Pfarrerin Reifers (Tel. 056 631 57 87) möglich.
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Für weitere Auskünfte:
Pfarrerin Marianne Reifers: Tel. 056 631 57 87 / P: 056 631 57 43; marianne.reifers@kirchenja.ch
Kirchenrätin Myriam Heidelberger: Tel. 079 621 41 44, myriam.heidelberger@ref-aargau.ch
Informationsbeauftragter Frank Worbs: Tel. 062 838 00 18 (079 444 97 82)