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Angeregter Austausch beim anschliessenden Essen
Foto: Elsbeth Gloor


Pensioniertentreffen zum 125. Geburtstag von Karl Barth
Robert Müller auf den Spuren des Safenwiler Theologen

Am 10. Mai 1886 wurde Karl Barth geborenen. Kirchen in aller Welt gedenken in diesen Wochen des 125. Geburtstags des Pfarrers aus Safenwil und grossen Gelehrten, der als Verkünder und Deuter der Gnade Gottes bekannt wurde.

Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen, hat anlässlich des Pensioniertentreffens am 4. Mai im Tagungshaus Rügel, Karl Barth zur rechten Zeit in Erinnerung gerufen und auf seine Aargauer Wurzeln hingewiesen. Der Auftakt zu seiner wissenschaftlichen Karriere fand im Aargau statt, genauer in der Kirchgemeinde Safenwil, wo Karl Barth von 1911 bis 1921 «Pfarrer Barth» wirkte und noch heute in guter Erinnerung ist.

Im Rahmen der kirchenrätlichen Einladung ging Robert Müller, Pfarrer in Safenwil von 1957 bis 1968, auf Spurensuche nach Karl Barths Wirken in Safenwil. das Musikerehepaar Anne-Françoise(Violine) und Werner Schmid aus Aarau (Klavier) spielte Stücke von W.A. Mozart, der Lieblingsmusik von Karl Barth, und erhob den Anlass gleichsam zur Feierstunde.

Referat von Robert Müller
Karl Barth’s öffentliches Wirken galt den Schwachen in seiner Gemeinde, das waren die Arbeiter mit kleinen Löhnen. Für sie setzte er sich auch gewerkschaftlich ein. Die daraus folgenden Auseinandersetzungen mit Fabrikantenkreisen sind heute noch in der Erinnerung vieler Familien in Safenwil, nicht nur in guter.
Seine Predigten waren anspruchsvoll, erfüllt von der Suche nach dem, was Gott für und vom Menschen will. Von dieser Perspektive her ging er auch auf die Wünsche, Klagen und Erwartungen seiner Gemeindemitglieder ein. Zwei Bänder mit Predigten aus der Safenwilerzeit Predigt «Der Pfarrer, der es den Leuten recht macht» zeugen von seiner kraftvollen Predigtweise. Nicht selten waren Streitgespräche in Dorfwirtschaften die Folge.

Dass Karl Barth ein Lehrer der Kirche in Dogmatik werden könnte, zeichnete sich schon früh in seinem Konfirmandenunterricht ab. Er lase den Epheserbrief mit den Jugendlichen und half ihnen, «das Schwerverständliche zu verstehen», wie sie heute noch sagen. Besonders folgenreich erwies sich seine Arbeit über den Römerbrief, die nach der zweiten Auflage den Ruf zum Dogmatikprofessor an der Theologischen Fakultät Göttingen auslöste.

Der heute noch präsente Zeuge von Karl Barth’s Wirken in Safenwil ist das Pfarrhaus, in dem er mit seiner Familie wohnte und das seither Ziel gelegentlicher Barth-Pilger von Europa und Übersee ist. Ein markanter Denkstein beim Pfarrhauseingang und ein touristischer Stempel der Post Safenwil bezeugen augenfällig «Karl Barths Wirkungsstätte 1911 - 1921».

In diesem Haus, das dank eines einsichtigen Gemeindemitglieds nicht der Spitzhacke zum Opfer fiel, ist ein Kleinod für Barth-Pilger zu finden. Im Dachstock, dort wo Karl Barth den «Römerbrief» schrieb, ist eine «Barth-Stube» eingerichtet mit authentischen Möbeln und Bildern aus dem Familien- und Kollegenkreis. Besonders wertvoll ist die gut dokumentierte Bibliothek, die mit den neuen Bänden der «Gesamtausgabe Karl Barth» weiter wächst.

Zum Schluss noch zwei Begebenheiten aus der Safenwiler Zeit, die Karl Barth als Mensch zeigen. Als man im Barth-Pfarrhaus später ein Erinnerungszimmer für ihn einrichten wollte und ihn um ein Foto bat, antwortete er: «Wenn nicht alle Vorgänger und dann auch alle Nachfolger dorthin gehören, dann auch ich nicht». So kam es zu einer Galerie der ehemaligen Safenwiler Pfarrer im Pfarrhaus.
Karl Barth pflegte an seinem Familientisch vor dem Essen zu beten. Später stellte er diesen Brauch wegen unangemessenem Verhalten seiner Kinder ein. Bald darauf meldete eine fromme Tante aus Basel ihren Besuch an. Darauf peinliche Verlegenheit bei Karl Barth: Wenn kein Gebet bei Tisch, wird die Tante sie in Basel als ungläubig verleumden. An einer innerfamliliären Lagebesprechung wird beschlossen: Es wird der Tante wegen gebetet. Der Besuch kam, Familie und Gast versammelten sich zum Essen. Pfarrer Barth sprach das Tischgebet. Nach dem Amen erklärte Töchterchen Franziska prompt: «Gäll Papi, mer bätte nume, wenn Bsuech do isch»!



Meldung verfasst von: Elsbeth Gloor, Robert Müller.


Aufgeschaltet am 30. Juni 2011.
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