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Dass Karl Barth ein Lehrer der Kirche in Dogmatik werden könnte, zeichnete sich schon früh in seinem Konfirmandenunterricht ab. Er lase den Epheserbrief mit den Jugendlichen und half ihnen, «das Schwerverständliche zu verstehen», wie sie heute noch sagen. Besonders folgenreich erwies sich seine Arbeit über den Römerbrief, die nach der zweiten Auflage den Ruf zum Dogmatikprofessor an der Theologischen Fakultät Göttingen auslöste.
Der heute noch präsente Zeuge von Karl Barth’s Wirken in Safenwil ist das Pfarrhaus, in dem er mit seiner Familie wohnte und das seither Ziel gelegentlicher Barth-Pilger von Europa und Übersee ist. Ein markanter Denkstein beim Pfarrhauseingang und ein touristischer Stempel der Post Safenwil bezeugen augenfällig «Karl Barths Wirkungsstätte 1911 - 1921».
In diesem Haus, das dank eines einsichtigen Gemeindemitglieds nicht der Spitzhacke zum Opfer fiel, ist ein Kleinod für Barth-Pilger zu finden. Im Dachstock, dort wo Karl Barth den «Römerbrief» schrieb, ist eine «Barth-Stube» eingerichtet mit authentischen Möbeln und Bildern aus dem Familien- und Kollegenkreis. Besonders wertvoll ist die gut dokumentierte Bibliothek, die mit den neuen Bänden der «Gesamtausgabe Karl Barth» weiter wächst.
Zum Schluss noch zwei Begebenheiten aus der Safenwiler Zeit, die Karl Barth als Mensch zeigen. Als man im Barth-Pfarrhaus später ein Erinnerungszimmer für ihn einrichten wollte und ihn um ein Foto bat, antwortete er: «Wenn nicht alle Vorgänger und dann auch alle Nachfolger dorthin gehören, dann auch ich nicht». So kam es zu einer Galerie der ehemaligen Safenwiler Pfarrer im Pfarrhaus.
Karl Barth pflegte an seinem Familientisch vor dem Essen zu beten. Später stellte er diesen Brauch wegen unangemessenem Verhalten seiner Kinder ein. Bald darauf meldete eine fromme Tante aus Basel ihren Besuch an. Darauf peinliche Verlegenheit bei Karl Barth: Wenn kein Gebet bei Tisch, wird die Tante sie in Basel als ungläubig verleumden. An einer innerfamliliären Lagebesprechung wird beschlossen: Es wird der Tante wegen gebetet. Der Besuch kam, Familie und Gast versammelten sich zum Essen. Pfarrer Barth sprach das Tischgebet. Nach dem Amen erklärte Töchterchen Franziska prompt: «Gäll Papi, mer bätte nume, wenn Bsuech do isch»!