Synode vom 10. Juni 1998


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Synode vom 10. Juni 1998

"Vergessen ist keine Kunst" - historische Forschung wird weitergeführt
Die Synode der Reformierten Aargauer Landeskirche stimmte an ihrer Sommersitzung in Zofingen allen kirchenrätlichen Vorlagen zu und protestierte zum Schluss mit einer spontan eingebrachten Erklärung entschieden gegen den bundesrätlichen Beschluss, Asylbewerber aus Kosova weiterhin zurückzuschaffen. Vor allem die Weiterführung der historischen Forschung über die Aargauer Landeskirche in den Jahren 1933-1948 mit einem Kredit von 73 800 Franken gab viel zu diskutieren. Ein Projekt über die Erfassung und Würdigung der ehrenamtlichen und unentgeltlichen Mitarbeit in den Kirchgemeinden und die erste Runde des Projektes Kirche 2002, “Dienste und Ämter”, können jetzt starten.
Ein Jahr nachdem der Kirchenrat im Frühjahr 97 einen historischen Bericht über die Geschichte der Aargauer Reformierten Kirche in der Zeit von 1933 bis 1948 und eine Entschuldigung an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger veröffentlicht hatte, kam das Thema wieder auf den Tisch der Synode. Ein Kredit von 73 800 Franken sollte für die Weiterführung der historischen Forschung über das Verhalten der Kirche und ihrer Gemeinden gegenüber Flüchtlingen und jüdischen Volksangehörigen gesprochen werden.
Einige Votanten hielten mit dem Argument “Lassen wir es ruhen!” den Blick Zurück nicht für sinnvoll und wollten den bereits im Juni 97 von der Synode genehmigten ersten Kredit von 35 000 Franken lieber dem Holocaust-Fonds oder der Jugendarbeit zukommen lassen. Der Kirchenratspräsident Paul Jäggi begründete die Notwendigkeit weiterer historischer Forschungen mit einem Zitat des Zürcher Literaturprofessors Peter von Matt aus seiner Festrede zum Helvetikjubiläum in Aarau: “Vergessen ist keine Kunst – Kunst ist die gerechte Erinnerung.”
Die weitaus meisten Synodalen unterstützten denn auch ausdrücklich das neun Monate dauernde Projekt, das neben der Sichtung kirchlicher und weltlicher Medien und der Archive von Kirchgemeinden auch Interviews mit noch lebenden Zeitgenossen vorsieht. Die Ergebnisse sollen in einer Broschüre von 50 bis 70 Seiten zusammengefasst werden über “die damals sogenannte “Judenfrage” und die Flüchtlingsproblematik im Kanton Aargau aus der Sicht der evangelischen Kirche”. Sie wird im Sommer 1999 vorliegen.
Weil man nicht nur über das Verhalten in der Vergangenheit nachdenken, sondern sich genauso für verfolgte Menschen in unserer gegenwärtigen Gesellschaft einsetzen wollte, verabschiedete die Synode ganz zum Schluss eine kurzfristig eingebrachte Erklärung zuhanden des Bundesrates. Darin wird der bundesrätliche Beschluss, Asylbewerber aus Kosova weiterhin auszuschaffen, entschieden kritisiert und ein sofortiger Stop der Rückschaffungen in das Kriegsgebiet gefordert.
Zwei weitere Projekte über die ordinierten Dienste und die freiwillige Mitarbeit in der Kirche
Die grosse Arbeit der freiwilligen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kirchgemeinden sichtbar machen und anerkennen - das will das Projekt “Vergeld’s Gott”, das im Aargau von allen kirchlichen Frauenorganisationen gemeinsam durchgeführt werden soll. Da Frauen den bei weitem grössten Teil der unentgeltlichen Arbeit leisten, liegt die Projektleitung bei den Fachstellen für Frauenfragen, auf reformierter Seite die Pfarrerin Johanna Hooijsma. Die Kosten werden aus Bundessubventionen in Höhe von 50 000 Franken vom Eidgenössischen Büro für Gleichstellungsfragen weitgehend gedeckt.
Das Projekt Kirche 2002 kann mit dem Themenkreis “Dienste und Ämter” in der Kirche starten. Obwohl damit der ursprüngliche Fahrplan umgestellt wird, überzeugte die Verbindung zum ebenfalls anlaufenden Projekt “Vergeld’s Gott”. So werden gleichzeitig die bezahlten und ordinierten Dienste und die freiwilligen, unbezahlten Dienste überdacht und Ernst genommen.

Weitere Beschlüsse
Die Jahresrechung 1997 wurde einhellig genehmigt. Aus dem mit 110 000 Franken kleinsten Rechnungsüberschuss seit 8 Jahren werden 10 000 Franken dem Hilfswerk der Evangelischen Kirchen, HEKS, und 20 000 Franken der Kooperation Evangelischer Kirchen und Missionen, KEM, überwiesen. 70 000 Franken sollen als Einlage in die Beitragsreserven die erwarteten schlechteren Steuererträge der nächsten Jahre auffangen.
Dem Grossen Rat wird eine Änderung des Organisationsstatuts der Landeskirche beantragt, die das Stimm- und Wahlrechtsalter in kirchlichen Angelegenheiten auf 16 Jahre herabsetzt. Dass auch reformierte Ausländer ohne eine Wartezeit von fünf Jahren, also sofort nach ihrem Zuzug in der Kirche stimmberechtigt sein sollen, verlangt eine weitere Motion, die der Kirchenrat entgegennahm.

Synode vom 10. Juni 1998 in Zofingen; Zusammenfassung der Beschlüsse
  1. Rekursgericht; Ersatzwahl (Rücktritt Pfrn. Sylvia Michel)
    Pfr. Jürg Vögtli, Erlinsbach
  2. Jahresbericht 1997
    Zustimmung ohne Gegenstimme
  3. a) Jahresrechnungen 1997
    Folgende Rechnungen wurden ohne Gegenstimme genehmigt: Kirchenrechnung, Fonds für Ferienhilfe, TagungsZentrum Rügel, Heimgarten Aarau, Heimgarten Brugg.
    Zustimmung zur Verwendung des Rechnungsüberschusses wie folgt:
    Übertrag auf Rechnung 1998 Fr. 110'000.-
    Übertrag auf Konto Reinvermögen Fr. 5'464.70
    b) Pensionskassenrechnung 1997
    Ohne Gegenstimme genehmigt.
  4. Projekt “Kirche 2002”; Genehmigung zum Start der Projektphase Dienste und Ämter
    Die Synode hat mit grosser Mehrheit, ohne Gegenstimme, den folgenden 3 Anträgen zugestimmt:
    Bewilligung zur Einleitung der Projektphase “Dienste und Ämter”;
    Vernetzung zwischen den Projekten Kirche 2002 und Vergeld’s Gott im Bereich der Freiwilligenarbeit;
    Kenntnisnahme vom geplanten Verlauf der Projektphase “Dienste und Ämter”.
  5. Projekt “Vergeld’s Gott”
    • Die Synode hat mit grosser Mehrheit, bei wenigen Gegenstimmen, den folgenden 5 Anträgen zugestimmt: Kenntnisnahme vom ökumenischen Projekt Vergeld’s Gott in den Aargauer Landeskirchen zur Sichtbarmachung, Aufwertung und Anerkennung der freiwilligen Arbeit in den Kirchgemeinden und Pfarreien;
    • Beauftragung der Arbeitsstelle für Frauenfragen, den obengenannten Themenkreis “Freiwilligenarbeit” mit ihren Unterthemen, “Ehrenamtliche Dienste, Unbezahlte Dienste und MitarbeiterInnen-Rat”, im Sinne der Projektvorlage Kirche 2002 vom 20. November 1996 selbständig zu bearbeiten und ihre Resultate der Projektleitungskommission 2002 zur Verfügung zu stellen;
    • Beauftragung des Kirchenrates, für eine genügende Vernetzung der beiden Projektleitungsgruppen zu sorgen. Zu diesem Zweck wird eine/n Vertreterin/Vertreter der Projektkomission Kirche 2002 in den Projektausschuss Vergeld’s Gott delegiert.
    • Soweit das Projekt Vergeld's Gott nicht eine eigene ökumenische Projektstruktur und eine eigene Projektorganisation aufweist, wird es den für das Projekt Kirche 2002 gültigen Organisations- und Strukturformen und Abläufen unterstellt.
    • Zustimmung zur vorgegebenen Finanzierungsstruktur des Projektes Vergeld’s Gott.
  6. Ausbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer im Konkordat; Einführung eines
    solidarischen Finanzierungsmodells
    Zustimmung der Synode mit grosser Mehrheit ohne Gegenstimmen zu den folgenden Anträgen:
    Änderung der Finanzierungsregelung für die Ausbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer im Bereich des Konkordates gemäss Beschluss der Konkordatskonferenz vom 08. Dez. 1997 wie folgt:
    Alle anfallenden Kosten für die Ausbildung (mit Ausnahme der direkt verrechneten Aufwendungen für die Konkordatsprüfungsbehörde KPB) werden von den Konkordatskirchen (und der Kirche im Kanton Graubünden) gemeinsam getragen.
    Massgebend für die Kostenaufteilung ist der jeweils geltende SEK-Schlüssel, der auf die Konkordatskirchen (und die Kirche im Kanton Graubünden) umgerechnet wird.
    Die Übernahme der Kosten inkl. Praktikumsbeiträge erfolgt per 01.01.1999.
    Die Konkordatskirchen können, wie bisher, weitere Kandidatinnen und Kandidaten am einjährigen pfarramtlichen Praktikum teilnehmen lassen. Deren Kosten tragen sie vollumfänglich.
    Zuhanden der Konkordatskirchen (und der Kirche im Kanton Graubünden) wird jährlich durch das Sekretariat der Konkordatskonferenz in Zürich ein Gesamtbudget erstellt.
    Allfällige sozialbedingte Zulagen werden weiterhin von der empfehlenden Kirche ausgerichtet. Unter dem Vorbehalt, dass die neue Finanzierungsregelung von allen Konkordatskirchen ratifiziert wird, Aufhebung des Fonds “Vikariatskosten” per 31.12.1998.
  7. Nachtragskredit 1997
    Zustimmung der Synode zu folgenden Nachtragskrediten:
    Frauenstelle, Besoldungen : 8'300.-
    Frauenstelle, Sozialleistungen: 1'700.-
    HEKS: 10'000.-
    KEM: 20'000.-
    Beitragsreserven, Einlage: 70'000.-
  8. Stimmrechtsalter 16; Aenderung Organisationsstatut und Kirchenordnung
    Zustimmung der Synode mit grosser Mehrheit bei einzelnen Gegenstimmen (als Folge des Synodebeschlusses vom 19.11.97).
  9. Reglement Kirchenratspräsidium
    Die Synode hat das vorliegende Reglement für das Kirchenratspräsidium gemäss Entwurf genehmigt und mit sofortiger Wirkung in Kraft gesetzt mit der Auflage, dass ihr an einer nächsten Synodesitzung ein Pflichtenheft für das Kirchenratspräsidium zum Entscheid vorgelegt wird.
  10. Weiterführung der historischen Forschung; Projekt zur Geschichte der Evang.-Ref. Landeskirche des Kantons Aargau in der Zeit von 1933 bis 1948
    Die Synode hat mit grosser Mehrheit, bei geringer Anzahl Gegenstimmen, dem vorliegenden Projekt zugestimmt und den Projektkredit von insgesamt Fr. 73'800.- genehmigt.
  11. Schülerunfallversicherung; Aenderung Reglement
    Die Synode hat das Reglement “Unfallversicherung im Rahmen des Pädagogischen Handelns” gemäss vorliegendem Entwurf genehmigt und mit sofortiger Wirkung in Kraft gesetzt.
  12. HEKS-Inlandauftrag; Evaluation
    Die Synode hat die Evaluation der HEKS-Inlandarbeit im Aargau und deren Auswirkungen auf die Arbeitsstelle Diakonie zur Kenntnis genommen.

Sie unterstützt die HEKS-Inlandarbeit im Aargau im bisherigen Rahmen weiterhin.