Synode vom 13. Januar 1999


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Synode vom 13. Januar 1999

Erste Frau als Synodepräsidentin gewählt
Reformierter Kirchenrat von der Synode bestätigt
Die Mitglieder der neugewählten Synode der Reformierten Landeskirche Aargau haben am 13. Januar im reformierten Kirchgemeindehaus Lenzburg zum ersten Mal getagt. In ihrer ersten Sitzung mussten sie unter anderem das Präsidium der Synode und den Kirchenrat für die kommende Amtsperiode neu wählen. In das höchste Amt, das Präsidium der Synode, wählten sie zum ersten Mal eine Frau: Franziska Zehnder, aus Küttigen, bisher Vizepräsidentin der Synode. Die Mutter von zwei Töchtern ist diplomierte Architektin und arbeitet halbtags im Architekturbüro ihres Mannes. Sie tritt die Nachfolge von John Christoffel an, einem Unternehmer, der übrigens mit seiner Firma in Dulliken für den Solothurner Unternehmerpreis 1999 vorgeschlagen wurde.
Der Kirchenrat mit Heinz Balz, Baden, Ursula Bezzola, Oftringen, Margrit Leuenberger, Widen (Mitglied des Exekutivausschusses des Reformierten Weltbunds), Hans Peter Mauch, Sarmenstorf, Adrian Tanner, Ennetbaden, Pfarrerin Therese Wagner, Rein, und dem Präsidenten Pfarrer Paul Jäggi, Oberhof, stellte sich komplett zur Wiederwahl und wurde durchwegs mit überzeugender Mehrheit bestätigt.
Zwischen den Wahlgängen hielten der Sozialethiker Prof. Dr. Hans Ruh, Zürich, und die Grossrätin Ursula Padrutt, Buchs, zwei Referate zum Thema der Gesprächssynode: „Welche Zukunft wollen wir – Grundwerte eines neuen Gesellschaftsvertrages“, das in den Rahmen der ökumenischen Konsultation zur wirtschaftlichen und sozialen Zukunft der Schweiz gehört.
Hans Ruh, ein international anerkannter Wissenschaftler, skizzierte in zehn einzelnen fiktiven Verträgen eine nachhhaltige Gesellschaft, in der die bezahlte Arbeit nur noch die Hälfte der Tätigkeit neben obligatorischer und freiwilliger unbezahlter Sozialarbeit ausmacht. Der unbezahlte Einsatz füreinander muss zwischen den Generationen, insbesondere den Jungen und den noch jungen Alten, neu geregelt werden. Eine menschenwürdige Existenz soll für jeden Erwachsenen bis zu seinem Tod durch einen Grundlohn von 1500 Franken im Monat als Entschädigung für die nicht erfassbaren sozialen Leistungen gesichert werden.
Nachhaltigkeit sei die unabdingbare Voraussetzung jeder zukünftigen Gesellschaft, betonte Ruh. Sie muss in der Wirtschaft und dem gesellschaftlichen Leben die überlebenswichtigen Stoffe für die nachkommenden Generationen sichern. Früher oder später müssen wir geschlossenen Stoffkreisläufen produzieren. Besteuert wird dann nicht mehr die Arbeit sondern die gebrauchten Ressourcen.
Ursula Padrutt ging im Anschluss daran auf praktische Probleme in der Schweizer Gesellschaft ein, die vor allem den Grundwert der demokratischen Mitbestimmung aller Bürgerinnen und Bürger zunehmend beeinträchtigten. Der Ausschluss der ausländischen Bevölkerung vom politischen Prozess, die Benachteiligung von unselbständig Erwerbenden, Erziehenden und Jungen bei der Mitarbeit in politischen Gremien würden dazu führen, dass in den Parlamenten die Gesellschaft nicht repräsentativ vertreten sei.
Die ungewohnten und gewagten Thesen vor allem des Sozialethikers Ruh führten in den Arbeitsgruppen zu kontroversen und intensiven Diskussionen bis in den frühen Abend. Trotz unterschiedlicher Standpunkte einigten sich dann aber alle Gruppen zum Schluss auf einige Kernsätze. Sie werden an das Konsultationsbüro in Bern weitergeleitet und sollen dazu beitragen, das Engagement der Kirchen für einen neuen gesellschaftlichen Konsens für die wirtschaftliche und soziale Zukunft der Schweiz weiterzuführen.

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Funktion, Name, Ort Stimmen (2. Zahl: Ausgeteilte Wahlzettel)

Synodebüro
Präsidentin: Franziska Zehnder, Küttigen bisher Vizepräsidentin (161 von 166)
Vizepräsident Pfarrer Urs Zimmermann, Wettingen (156 von 169)
Regula Baumann, Baden 163 von 168)
Dr. med. Robert Hasler, Oberentfelden (153 von 168)
Daniel Hehl, Oberehrendingen (163 von 168)
Pfarrer Bernhard Nauli, Auenstein (161 von 168)

Kirchenrat
Präsident Pfarrer Paul Jäggi, Oberhof (bisher) (139 von 169)
Vizepräsidentin Ursula Bezzola, Oftringen (bisher) (149 von 172)
Heinz Balz, Baden-Rütihof (bisher) (152 von 172)
Margrit Leuenberger, Widen, (bisher) Mitglied des Exekutivausschusses des Reformierten Weltbunds, (157 von 172)
Hans Peter Mauch, Sarmenstorf, (bisher) Diakonischer
Mitarbeiter in Birr (162 von 172 )
Adrian Tanner, Ennetbaden(bisher) (156 von 172)
Pfarrerin Therese Wagner, Rein (bisher) (154 von 172)

Rekursgericht
Präsidium und Vizepräsidium vacat
Aktuarin Ursula Padrutt, lic.iur., Buchs (bisher) 146 von 164)
John Christoffel, Gipf-Oberfrick (154 von 164)
Willi Dürig, Untersiggenthal (141 von 164)
Rudolf Rohr, Dr. iur., Würenlos (154 von 164)
Pfarrer Rudolf Schmid, Vordemwald (155 von 164)
Max Schönsleben, Nussbaumen 149 von 164
Pfarrer Jürg Vögtli, Erlinsbach 156 von 164