Synode vom 19. Januar 2011


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Die neuen Synodemitglieder werden von Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen (vorne, Mitte) in Pflicht genommen
Foto: Frank Worbs

«Generationenapartheid überwinden» – Synode stellt sich den Herausforderungen des neuen Alters

Bericht von der Synode der Reformierten Landeskirche Aargau am 19. Januar 2011 in Aarau

Die neugewählte Synode der Reformierten Landeskirche Aargau trat am Mittwoch, dem 19. Januar, im Grossratssaal in Aarau zu ihrer konstituierenden Sitzung für die Amtsperiode 2011 – 2014 zusammen. Nach den Wahlen verschiedener Organe und Kommissionen der Landeskirche diskutierten ca. 180 Synodale und Gäste am Nachmittag an einer Gesprächssynode nach einem Referat von Prof. Dr. Ralph Kunz, Universität Zürich, das Thema «Megatrend Alter und die Auswirkungen auf die Kirche».


Medienmitteilung vom Mittwoch, 19. Januar 2011
Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen eröffnete die konstituierende Sitzung mit dem Psalmwort «Was die Zeit bringt, liegt in Gottes Hand» und las die Präambel der neuen Kirchenordnung, die den «tragenden Grund der Kirche» beschreibt, «die allumfassende Liebe Gottes, wie sie sich in Jesus Christus offenbart und der Glaube an den dreieinigen Gott». Dann nahm sie die 55 neu gewählten Synodalen in Pflicht und leitete die Synode bis zur Inpflichtnahme des neuen Synodepräsidiums.
Das Parlament der Reformierten Landeskirche hat in der neuen Amtsperiode 185 Sitze. Von den bisher gewählten169 Synodalen sind 74 Frauen und 95 Männer. 16 Sitze sind noch nicht besetzt. 36 Synodale sind in den ordinierten Diensten, also im Pfarramt oder als Sozialdiakone und –diakoninnen angestellt.
Das Parlament der Reformierten Landeskirche wird in den nächsten vier Jahren von der bisherigen Vizepräsidentin, Silvia Kistler-Wuffli aus Brugg, präsidiert, die von der Fraktion «Kirche und Welt» nominiert wurde und bei der Wahl 99% der Stimmen erhielt. Die diplomierte Betriebswirtschafterin ist seit 1999 Synodale und seit 2000 Mitglied des Synodebüros. Sie ist Vizepräsidentin des Einwohnerrats der Stadt Brugg. In Ihrem Eingangswort wünschte sich die neue Präsidentin eine Synode, die «vollzählig, farbig und selbstbewusst» agiert.
Als Vizepräsident wurde Dr. Roland Frauchiger, Kirchenpflegepräsident und Gemeindepräsident der Gemeinde Thalheim, gewählt. Zum Synodebüro gehören neben den beiden wiedergewählten Mitgliedern Ruth Imhof-Moser, Möhlin, und Monika Winistörfer, Aarau, neu Pfr. Peter Weigl, Windisch, und Ursula Basler, Arni.
Die Nominierten wurden in alle Gremien durchweg mit Stimmenanteilen von über 90 Prozent gewählt. So auch die Geschäftsprüfungskommission, in die neben den bisherigen Mitgliedern Hans-Peter Tschanz, Oberrohrdorf und Franziska Zehnder, Küttigen, neu Lucien Baumgaertner, Strengelbach, Irene Campi, Baden, Daniel Hehl, Ehrendingen, Pfr. Michael Rahn, Widen und Pfr. Stefan Siegrist, Schöftland, gewählt wurden. Die Schlichtungskommission wurde in ihrer bisherigen Zusammensetzung für die neue Amtsperiode bestätigt: Präsident Martin Eppler, Pfr. Christoph Bolliger, Francine Ehrensperger, Beatrice Klaus und Urs Spörri.
Schliesslich bestätigte die Synode noch ihre vier Mitglieder in der Herausgeberkommission der Kirchenzeitung «reformiert.Aargau» und wählte den Synodalen Rudolf Schärer als Mitglied der dreiköpfigen Fondsverwaltung des neuen Öko-Fonds der Landeskirche.
 
«Den gemeinsamen Weg weitergehen»
Der neue Präsident der Römisch-Katholischen Landeskirche im Aargau, Luc Humbel, überbracht ein Grusswort mit einem Zitat des neuen SEK-Präsidenten Gottfried Locher, der Freundschaft zwischen den Kirchen als «Einladung, den gemeinsamen Weg weiter zu gehen» bezeichnet hat. Humbel benannte einige gemeinsame Herausforderungen wie das Verhältnis von Kirche und Staat, die bessere Darstellung der Leistung der Kirchen in der Öffentlichkeit und die Auseinandersetzung mit den aktuellen Bedürfnissen der Gesellschaft. Er schloss mit einem Zitat des Dichterpfarrers Kurt Marti: Die «Vorstellung einer Dreieinheit Gottes» wagt es, «Beziehungsvielfalt und Macht-Teilung in der Gottheit zu denken, so dass man in ihm auch Prinzipien wie Gewaltentrennung, Mitsprache, Mitbestimmung vorgezeichnet finden kann».
Vertreterinnen und Vertreter der fünf Fraktionen der Synode stellten im Blick auf die neuen Mitglieder ihre parlamentarischen Gruppierungen vor: Fraktionspräsidentin Esther Meier ihre Fraktion «Kirche und Welt», Christian Gyger die «Evangelische Fraktion», Ursi Stocker die Fraktion «Verein lebendige Kirche». Doris Lüscher stellte sich als neue Präsidentin der Fraktion «Freies Christentum» und Nachfolgerin von Doris Fritschi vor, und Pfr. Lutz Fischer-Lamprecht präsentierte die «Fraktion der Fraktionslosen».
 
Gesprächssynode
Am Nachmittag schloss sich im Grossratsgebäude eine Gesprächssynode zum Thema «Megatrend Alter und die Auswirkungen auf die Kirche» an. Die Synodalen diskutierten Perspektiven und Herausforderungen für die Kirche aufgrund der Referate und Ergebnisse des interdisziplinären Kongresses «Das Alter neu erfinden», den die Landeskirche am 6. November 2010 in Aarau mit 350 Personen durchgeführt hatte.
Prof. Dr. Ralph Kunz, Professor für Praktische Theologie an der Universität Zürich, stimmte die Synodalen mit einem Referat über «Kirche und Alter» ein. Er ging von den demographischen Verschiebungen in der Alterspyramide der Schweiz aus und kommentierte die daraus resultierenden Probleme wie die Verringerung des Volkseinkommens oder die Finanzierungsfragen in Pflege und Betreuungsinstitutionen. Er hob aber auch die positiven Konsequenzen heraus: dass mehr alte Menschen z.B. mehr Zeit für andere haben, gemäss Umfragen glücklicher und zufriedener mit ihrem Leben sind, oder dass es weniger Kriminalität geben könnte.
Anschliessend diskutierten die 180 Synodalen und Gäste in 13 Gruppen drei verschiedene Themenkreise: Frauen und Männer im Alter, Trennendes und Verbindendes der Generationen und Kirche mit alternder Struktur.
 
«Generationenapartheid überwinden»
Die 13 Gesprächsgruppen haben ihre Ergebnisse in jeweils zwei Thesen zusammengefasst. Aus den vielfältigen Rückmeldungen griff Ralph Kunz einige Bilder und Begriffe wie «Generationenapartheid überwinden» heraus und strich die Möglichkeiten der reformierten Kirche heraus, die in ihren Gemeinden und Freiwilligen noch über grosse Ressourcen verfügt, die kreativ und zielbewusst eingesetzt werden können. Generationen verbindende Begegnungen war dann auch das Stichwort, das in vielen Thesen auftauchte und sicher eine Richtung für das weitere Engagement der reformierten Kirche weist.
Aus den 26 Thesen werden nun Aufgabenfelder und  Handlungslinien abgeleitet, die der Kirchenrat beraten und in sein Arbeitsprogramm 2011 – 2014 aufnehmen wird. Zusammen mit dem Arbeitsprogramm werden diese Ergebnisse dann der Synode im Juni vorgestellt.
Der Abschluss der Gesprächssynode wurde vom Komikerduo Huldi und Hampi gesetzt, die aus dem Altersheim ausgerissen und auf dem Weg nach Cannes zum grossen Durchbruch ihrer Musikerkarriere waren.
 
ria / F. Worbs


 Meldung verfasst von: ria / F. Worbs.

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Ansprache und Wahlannahmeerklärung der neuen Synodepräsidentin Silvia Kistler.