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Eine der Initiantinnen des Projekts, Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen, im Gespräch
Foto: Meike Sahling


Ein Projekt wird zum Programm
Feier der 100. Kirchgemeinde im Missionshaus Basel

982 reformierte Kirchgemeinden gibt es in der Schweiz. 106 davon engagieren sich u. a. mit je 2000 Franken für das Projekt «Religion in Freiheit und Würde». «Das sind bereits mehr als 10% der reformierten Schweiz», erkannte auch SEK-Präsident Gottfried Locher an der Feier zur 100. Kirchgemeinde am 3. Februar im Missionshaus in Basel an. Und die Hälfte davon stammt aus dem Aargau!

Religion in Freiheit und Würde ist keine Selbstverständlichkeit. Weltweit werden 200 Millionen Christen und Christinnen wegen ihres Glaubens diskriminiert. Das Thema bewegt, berührt und verunsichert viele Menschen. Aber es gibt viel, was wir tun können.
Das Projekt wurde aufgrund eines Vorstosses in der Aargauer Synode von der Reformierten Landeskirche zusammen mit den Kantonalkirchen Zug und Solothurn und dem Partner mission21 lanciert. Der Start war im August 2009.


Hinschauen
Eine Stärke des Projektes Religion in Freiheit und Würde ist, dass es genau hinschaut und differenziert: Wer wird warum bedrängt, wo liegen die Ursachen der Konflikte, wo sind die anheizenden und wo die beruhigenden Kräfte. Religionen und Religionsgemeinschaften werden nicht nur als Opfer und Täter gesehen, sondern als Erben und Träger von Friedensbotschaften, die wieder mehr beachtet und verkündet werden. Religionen können auch eine friedensstiftende Ressource sein, schlichtend und versöhnend wirken.
Durch dieses Verständnis wurde es möglich, das Projekt für die Beteiligung anderer Konfessionen und sogar Religionsgemeinschaften zu öffnen. Und das tun sie auch. Im Aargau haben sich sowohl die Christkatholische Landeskirche als auch der Verband Aargauer Muslime (VAM) zum Projekt Religion in Freiheit und Würde und seinen Zielen bekannt und unterstützen das Projekt. Die interreligiöse Dimension durch die Schweizer Trägerschaft mit Christen und Muslimen bewirkt bei den Partnern in den Projektländern zusätzliches Vertrauen, das Frieden möglich ist.
Wie Studien zeigen, finden religiöse Konflikte vornehmlich im Kontext von übergeordneten sozialen Konflikten statt. mission21 versucht mit dem Projekt Religion in Freiheit und Würde deshalb nicht nur die Folgen sondern auch die Ursachen aufkeimender Konflikte zu bekämpfen. So werden nebst religiösen auch politische und sozioökonomische Faktoren berücksichtigt. Ein Entwicklungsprogramm, das Gemeinschaftsgefühl und Wohlstand schafft, kann Konflikte verhindern.

Bilden – spenden - beten
Religion in Freiheit und Würde hat drei Ziele: 1. Bewusstseinsbildung in Schweizer Kirchgemeinden zum Thema Religionsfreiheit weltweit, 2. finanzielle Unterstützung durch Schweizer Kirchgemeinden für interreligiöse Friedensarbeit weltweit und 3. spirituelle Unterstützung von religiös Verfolgten z.B. im Gebet. Kurz: bilden, spenden, beten.
Wie wichtig dabei die beiden Punkte bilden und beten sind, wird im Gespräch mit Betroffenen immer wieder hervorgehoben: «Schaut, dass ihr es besser macht und betet für uns», ist die gängige Antwort auf die Frage, was wir für sie tun können. Das Geld kann diese Arbeit nur unterstützen. Um Bildungsarbeit und Gebet in den Kirchgemeinden zu fördern, stellt mission21 nützliche Hilfsmittel bereit. Ein umfangreiches und gut strukturiertes Werkbuch mit Zusatzmaterialien, vorformulierte Fürbitten findet sich auf der Homepage www.mission-21.org im Menu «Religion in Freiheit und Würde».

Was gab es zu feiern?
Am 3. Februar wurde in Basel das Erreichen eines wichtigen Ziels gefeiert: Die Zusagen von 100 Kirchgemeinden, die u. a. 2000 Franken für das Projekt spenden, hatte man nach 15 Monaten erreicht. Dieses Engagement der Kirchgemeinden stand auch im Zentrum der Feier in Basel. Als Dank für ihr Engagement und um ihr Eintreten für den Frieden in der Gemeinde sichtbar zu machen, erhalten die 100 ersten Kirchgemeinden eine Friedenstaube aus Teig. Aargauer Bazarfrauen haben dies durch ihren kurzfristigen, freiwilligen Einsatz ermöglicht und das Gebäck mit grosser Sorgfalt gestaltet.
An der Feier waren die Kantonalkirchen von Zug mit Präsidentin Monika Hirt und Solothurn sowie die Aargauer Landeskirche mit Präsidentin Claudia Bandixen vertreten. Halit Duran, Präsident des VAM, wies in seiner Rede auf die Relevanz eines friedlichen Zusammenlebens von Christen und Muslimen auch in der Schweiz hin. SEK-Präsident Gottfried Locher hat in seinem Grusswort das Anliegen des Projektes zu einem Anliegen des SEK gemacht.
Es folgten Berichte zur Situation in den beiden von religiösen Unruhen betroffenen Ländern Nigeria und Indonesien, in denen dieses Projekt aktiv ist. Ganz zu Beginn der Feier aber hatte die Projektverantwortliche von mission21, Magdalena Zimmermann, die wichtigste Botschaft des Abends verkündet: Das Projekt wird aufgrund des bisherigen Erfolges weitergeführt. Ein Projekt ist Programm geworden. Ein Programm, das weitergetragen wird.



Meldung verfasst von: Jan Tschannen.


Aufgeschaltet am 7. Februar 2011.
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