Das neue Jahr hat gerade begonnen, die Ferienplanung steht an. Natur pur, relaxen, etwas Neues erleben, Gastfreundschaft geniessen – so sehen Ferienträume aus. Qualität statt Billigreisen, betonen die Trendforscher. Genug von Bettenburgen, Müllkippen hinter dem Hotel und Kloaken am Strand, genug von der schockierenden Armut gleich neben dem opulenten Resort und vom Unbehagen, wenn schon wieder ein bettelndes Kind am Rockzipfel hängt, genug auch von der Angst vor Überfällen und Anschlägen – mit steigender Reiseerfahrung reagieren die Feriengäste immer sensibler auf Probleme am Ferienort. Längst hat eine überwiegende Mehrheit bei Umfragen in mehreren europäischen Ländern bekräftigt, gerne für Angebote mehr zu bezahlen, wenn diese garantiert die Umwelt schonen, faire Arbeitsbedingungen respektieren und die Rechte der Einheimischen achten. Deshalb erfährt die vom Arbeitskreis tourismus & entwicklung getragene Website fairunterwegs.org wachsendes Interesse und zählt rund 40'000 Gäste pro Monat. Das Reiseportal informiert unabhängig von Brancheninteressen über nachhaltige Formen des Reisens, prangert Menschenrechtsverletzungen im Tourismus an und gibt Reisenden konkrete Tipps.
Steigende Nachfrage – fehlende transparent deklarierte AngeboteGerade unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise und den alarmierenden Meldungen über den Klimawandel überlegen sich viele Reiselustige, ob sie ein Ferienziel mit Flugreise anpeilen oder nicht doch lieber in der Schweiz bleiben, vielleicht ins nahe Ausland fahren sollen, wo man auch mit Zug und Bus hinkommt. Wer seine Ferien aber umweltgerecht und sozialverträglich gestalten will, kommt ganz schön ins Schwitzen. Das beginnt schon bei der Suche nach einer ökologischen Unterkunft in der Schweiz, wo die meisten Hotels kaum darüber Auskunft geben. Auch in den Katalogen der Reiseveranstalter wird die geneigte Kundschaft kaum fündig. In letzter Minute werden Billigangebote auf den Markt geworfen, um Flugsitze und Hotelbetten zu füllen – meist weit unter den realen Kosten. Das heisst aber schliesslich auf Kosten der Umwelt, der kleinen Unternehmen und der Arbeitnehmenden am Ferienort.
Selber fair handeln – beim Buchen wie unterwegs!Umso mehr sind heute die kritischen Reisenden gefragt. Sie können beim Buchen der Tourismusindustrie gegenüber klar machen, dass sie für ihre schönsten Tage im Jahr keine Angebote mehr akzeptieren, welche Raubbau an der Natur und Ausbeutung vom Mensch bedeuten. Über den Druck der Kunden konnten bereits andere Branchen zu einem verantwortlichen Wirtschaften gebracht werden.
Bereits heute aber – ohne auf die Tourismusbranche zu warten – können Ferienreisende anhand der fairunterwegs-Faustregeln ganz einfach selber fair handeln:
- Einen fairen Austausch mit den Gastgebern pflegen und ihre Rechte respektieren
- Nutzen für die Einheimischen aus dem Tourismus schaffen mit der Berücksichtigung von einheimischen Unterkünften und Produkten aus der Region
- Faire Preise zahlen
- Kostbare natürliche Ressourcen als Lebensgrundlagen der einheimischen Bevölkerung respektieren
- Sich Zeit nehmen – zum Vorbereiten, um sich auf das Gastland einzustellen und auch nach der Reise die Kontakte zu pflegen
Diese fünf Faustregeln sowie ein reflektiertes Kundenverhalten der Einzelnen können auch ein Beitrag des gelebten Christseins an Gottes Schöpfung sein. Ob in den privaten Ferien oder auch auf einer anstehende Gemeindereise, nachdenken lohnt sich. Weitere Reiseinformationen finden sich auf der untenstehenden Website unter dem Button «Fair-Tipps». Besonders interessant für Kirchgemeindereisen sind die hier unter «Häufige Fragen» aufgeführten Merkblätter «Projektreisen» zum Besuch von Umwelt- und Entwicklungsprojekten sowie «Besuch von Tempeln, Moscheen und Kirchen».
Wenn Se sich im Rahmen einer Gemeindereise für den Besuch eines Partnerprojektes vom Arbeitskreis tourismus & entwicklung interessieren, vermittelt die Fachstelle OeME gerne den Kontakt. Der Arbeitskreis tourismus & entwicklung ist die einzige Schweizer Fachstelle, die den Tourismus aus entwicklungspolitischer Sicht hinterfragt. Er wurde vor gut 30 Jahren von der Erklärung von Bern, Hilfswerken und kleinen engagierten Reiseveranstaltern gegründet.
Heute zählt der Verein rund 130 Mitglieder, zu seinen wichtigsten Trägern gehören Brot für alle, Fastenopfer, HEKS, Swissaid und terre des hommes Schweiz.
Meldung verfasst von: Jan Tschannen, Christine Plüss, Geschäftsführerin, Arbeitskreis tourismus & entwicklung Basel.
Aufgeschaltet am 23. Februar 2011.
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