Die acht Arbeitsgruppen

Die acht Arbeitsgruppen der Kirchenreform setzen sich mit den unterschiedlichen Facetten der Reformierten Kirche im Aargau und den dazugehörigen Fragestellungen auseinander. Zur Anregung für die inhaltliche Erkundung gibt der Kirchenrat jeder Arbeitsgruppen spezielle Fragen mit auf den Weg, die auf bestimmten Überlegungen und Beobachtungen gründen. Mit gemeinsamen Briefings am 12. und 24. März im «Haus der Reformierten» in Aarau werden die Arbeitsgruppen in ihre Aufgaben eingeführt.

Arbeitsgruppe 1 - Inhalt und Botschaft

Ausgangssituation: Die Reformierte Kirche Aargau lebt und redet in evangelisch-reformierter Tradition und im Geist der Aufklärung. Gleichzeitig ist sie durch verschiedene Milieus und Frömmigkeitsstile geprägt. Die Inhalte und Werte innerhalb der Kirchgemeinden sind unterschiedlich. In der Gesellschaft ist ein fortschreitender Relevanzverlust des Evangeliums und sogar ein Abbruch christlicher Traditionen zu beobachten. Der Auftrag und das Wirken der Kirche verlieren in der Bevölkerung zusehends an Plausibilität.

Mögliche Fragen: Wie kommen wir ins Gespräch über unsere Pluralität, wie können wir die Glaubensvielfalt als Reichtum erleben? Wie verkünden wir zeitgemäss die biblische Botschaft? Wie können wir neue Formen von Spiritualität entwickeln und veränderte Bedürfnisse aufnehmen und dabei bewährte Formen und Traditionen erhalten?

Mitglieder der Arbeitsgruppe: Robert Peter (Kirchenpflege, Birmenstorf-Gebenstorf-Turgi), Simon Pfeiffer (Pfarrer, Mitarbeiter Landeskirche, Aarau), Michael Rahn (Pfarrer, Muri-Sins), Céline Rickenbacher (Sozialdiakonin, Kirchberg), Claudia Steinemann (Pfarrerin, Eglisau, vormals Kölliken), Andreas Wahlen (Pfarrer, Oberentfelden), Gaudenz Tscharner (Kirchenmusiker, Brugg).

Arbeitsgruppe 2: Handlungsfelder

Dienste der reformierten Kirche vor Ort unentgeltlich in Anspruch nehmen. Bei der Nachfrage nach kirchlichen Angeboten ist aber ein allgemeiner und – z.B. bei Trauungen – starker Rückgang zu beobachten. Alle Kirchgemeinden haben von der Kirchenordnung vorgegebene Aufgaben zu erfüllen.


Mögliche Fragen: Wie können die persönlichen Bedürfnisse der Mitglieder besser berücksichtigt werden? Sollen Mitglieder frei wählen dürfen, wo sie z.B. ihre kirchliche Hochzeit feiern wollen und mit welcher Pfarrerin oder Pfarrer – mit oder ohne zusätzliche Kosten? Wie können Kirchgemeinden besser zusammenarbeiten, damit nicht jede alle Handlungsfelder abdecken muss? Sollen die bewährten Kasualien weiterentwickelt und ergänzt werden?

Mitglieder der Arbeitsgruppe: Reto Baumann (Kirchgemeinde Schöftland), Sibylle Heizmann (Sozialarbeiterin und Supervisorin, Leutwil-Dürrenäsch), Katharina Thieme (Pfarrerin, Bözen), Maria Trost (Sozialdiakonin, Bremgarten-Mutschellen), Marc Wipfli (Kirchgemeinde Schöftland).

Arbeitsgruppe 3: Dienste und Personal

Ausgangssituation: Die Arbeitspensen in den Kirchgemeinden werden zunehmend kleiner und fragmentierter – gleichzeitig soll die reformierte Kirche eine attraktive Arbeitgeberin bleiben und ihr Personal halten können. Für die Ordinierten gelten besondere Bestimmungen.


Mögliche Fragen: Gibt es Aufgabengebiete, die zusammengelegt oder zentralisiert werden könnten? Wie können Freiwillige befähigt werden, ihre Begabungen zu entdecken und einzubringen? Sollen Ordinierte auch durch die Kirchenpflege angestellt werden können? Soll die Residenz- und Wohnsitzpflicht der Ordinierten angepasst werden?

Mitglieder der Arbeitsgruppe: Jeannine Albanbauer (Kirchenpflegepräsidentin, Surbtal), Markus Fricker (Berater, Kurator, Brugg), Matthias Jäggi (Pfarrer, Frick), Andrea Kwiring (Sozialdiakonin, Beinwil am See), Oliver Morel (Kirchenpflegepräsident, Kirchberg), Gabriella Peitsch (Kirchengutsverwalterin, Suhr-Hunzenschwil), Karin Rätzer (Katechetin, Staufberg), Heidrun Studer (Geschäftsführerin der Kirchgemeinde Baden).

Arbeitsgruppe 4: Zugehörigkeit

Ausgangssituation: Mitglieder gehören zu der Kirchgemeinde, in der sie wohnen. Die freie Wahl einer Kirchgemeinde, die zu den eigenen Bedürfnissen und Interessen passt, ist trotz eines Synodeentscheids immer noch nicht möglich. Das Modell langfristiger, verbindlicher Mitgliedschaften, ob in der Kirche, in einer Partei oder Verein ist für die meisten Jüngeren keine Option mehr.


Mögliche Fragen: Sind alternative Mitgliedschafts- und Zugehörigkeitsformen denkbar, auch ohne feste Anbindung an eine Ortskirchgemeinde? Wie kann die Volkskirche für distanzierte Mitglieder mehr Raum bieten? Welche Bedeutung kann die reformierte Kirche für Menschen ausserhalb der Kirche haben?

Mitglieder der Arbeitsgruppe: Gregor Fischer (Rettungssanitäter, Baden), Manuel Keller (Sozialdiakon, Bremgarten-Mutschellen), Sandrine Knechtli (Synodale, Aarau), Helene Reuille (Lehrerin, Rued), Erika Voigtländer (Pfarrerin, Buchs-Rohr), Cilia Zeltner (Sozialdiakonin, Aarau).

Arbeitsgruppe 5: Strukturen

Ausgangssituation: Die Reformierte Landeskirche Aargau ist demokratisch und rechtsstaatlich organisiert. Das hat viele Stärken und Vorteile, macht strukturelle Veränderungen der Kirche jedoch langsam und schwerfällig. Es wird zunehmend schwieriger, alle Sitze in kirchlichen Gremien zu besetzen.


Mögliche Fragen: Welche Formen, sich als Kirche zu organisieren, sind für die Reformierte Kirche Aargau sinnvoll? Wie kann sie schnell und innovativ auf Veränderungen reagieren? Von welchen Aufgaben können Kirchenpflegen entlastet werden, um die Hürden für ehrenamtlichen Mitarbeit zu senken? Sind überregionale Formen wie Kreis- oder Dekanats-Kirchenpflegen sinnvoll? Was sollen Form und Aufgabe der Dekanate sein? Braucht es weitere rechtliche Formen von Körperschaften?

Mitglieder der Arbeitsgruppe: Heinz Brauchart (Pfarrer, Gontenschwil-Zetzwil), Anita Graber (Mitarbeiterin Landeskirche, Rupperswil), Marcel Hauser (Berater, Kurator, Zofingen), Ana Gabrielle Voellmin (Steuerberaterin, ehemals Kirchenpflegepräsidentin Baden), Marcel Wittwer (Kirchenpflegepräsident, Bergdietikon).

Arbeitsgruppe 6: Digitalisierung

Ausgangssituation: Der Begriff «Kirche» steht sowohl für die Gemeinschaft der Mitglieder als auch für den Ort, an dem sie zusammenkommt. In den letzten zwei Jahren mussten die Kirchgemeinden neue, digitale Formen finden, um Menschen auch online zu begegnen. In dieser Zeit wurden zahlreiche digitale Angebote geschaffen, aber auch die Defizite im Bereich der Digitalisierung sind deutlich geworden.


Mögliche Fragen: Was braucht es, damit eine «digitale Kirche» Kirche ist? Wie kann die Kirche Digitales für den Gemeindebau und die Verwaltung nutzen? Wie kann die die Zusammenarbeit zwischen den Kirchgemeinden und mit der Landeskirche digital gestärkt werden?

Mitglieder der Arbeitsgruppe: Claude Chautems (Kirchenpflegepräsident, Möhlin), Claudia Daniel-Siebenmann (Reformierte Landeskirche), Yves Sandmeier (Kirchenpflege, Umiken).

Arbeitsgruppe 7 (und 8): Immobilien und Finanzen

Die Arbeitsgruppen 7 und 8 wurden im August 2022 zu einer Arbeitsgruppe zusammengefasst, weil ihre Themen und Aufträge eng zusammenhängen und am besten gemeinsam bearbeitet werden.


Die Mitglieder der neuen gemeinsamen Arbeitsgruppe 7/8 sind: Susanne Bircher, Heribert Meier (Verwaltungsleiter der Kirchgemeinde Bremgarten-Mutschellen), Lutz Fischer-Lamprecht (Pfarrer, Wettingen-Neuenhof), Nadia Studer (Kirchenpflege, Densbüren), Bernhard Bösch (Kirchenpflege, Baden), Tobias Siegrist (Architekt, Zofingen), Fredi Kölliker (Architekt, Mülligen).





Auftrag und Fragen der Arbeitsgruppe 7/8

Zu den Immobilien:
Kirchgemeinden im Aargau verfügen über eigene Liegenschaften. Diese Immobilien haben einen Versicherungswert von geschätzt ca. einer Milliarde Franken, und ihr Erhalt kostet ca. 20 Millionen Franken pro Jahr. Bei weiter sinkenden Steuereinnahmen können nicht mehr alle Immobilien erhalten werden. Besonders kleinere Gemeinden und Gemeinden mit denkmalgeschützten Immobilen können sich die Instandhaltung bald nicht mehr leisten.
Mögliche Fragen: Welche Rolle spielen Liegenschaften für die Identität der Kirche? Welche Bedeutung hat die Kirche im Dorf für die Gesellschaft? Wie können Liegenschaften gut bewirtschaftet werden (Immobilienstrategie)? Was geschieht, wenn Kirchgemeinden mit ihren Immobilien finanziell überfordert sind?


Zu den Finanzen:
Ausgangssituation: Die Kirchgemeinden verwalten ihr Vermögen und ihren Finanzhaushalt selbständig. Haupteinnahmequelle ist die Kirchensteuer, die grössten Ausgabeposten sind Personal und Liegenschaften. Der Steuerertrag ist trotz abnehmender Mitgliederzahlen lange gewachsen, seit ein paar Jahren jedoch rückläufig. Das zwingt zu Sparmassnahmen und Restrukturierungen.
Mögliche Fragen: Wie kann die Reformierte Kirche Aargau angesichts kleiner werdender Mittel ihre Aufgaben in der und für die Gesellschaft erfüllen? Welche weiteren Mittel können wir erschliessen? Wie ist die Kirche in der Zukunft zu finanzieren?