Reformierte Kirche ordiniert fünf Pfarrerinnen und Pfarrer sowie drei Sozialdiakoninnen und -diakone für den Dienst in der Kirche.

«Niemand wird abgewiesen» - in der Nachfolge Jesu arbeiten

Veröffentlicht am 22. August 2022

Medienmitteilung – Am Sonntag, 21. August, ordinierten die Kirchenratsmitglieder Christoph Weber-Berg und Beat Maurer in einem feierlichen Gottesdienst in der Stadtkirche Aarau fünf Pfarrerinnen und Pfarrer sowie drei Sozialdiakoninnen und -diakone zum Dienst in der Aargauer Kirche. Zum ersten Mal wurden zwei Theologinnen ordiniert, die bereits eine berufliche Karriere hinter sich und das Studium für Quereinsteigerinnen absolviert haben. Vertreterinnen der EKS und der Berufsverbände richteten Grussworte aus.

Die Präsidentin der Ev.-ref. Kirche Schweiz, EKS, Rita Famos, und Vertreterinnen des Pfarrkapitels und des Diakonatskapitels richteten Grussworte aus.

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An der Ordinationsfeier der Reformierten Landeskirche Aargau am 21. August in der Stadtkirche Aarau: Vord. Reihe von links die ordinierten Pfarrer und Pfarrerinnen: Stephan Gassler, Claudia Daniel-Siebenmann, Regula Blindenbacher, Noemi Heggli und Tanja Grünig, in der Mitte die Kirchenratsmitglieder Christoph Weber-Berg (mit Talar) und Beat Maurer, anschliessend die Sozialdiakoninnen (v.li.) Monika Jufer und Nadine Brauchli Weiss sowie Sozialdiakon Raphael Nishanta Bachmann (ganz re.). In den hinteren Reihen die Ausbildungsverantwortlichen, Vertretungen der Kirchgemeinden und anderer Kirchen. Reformierte Landeskirche Aargau / Werner Rolli

Willkommenskultur leben - die eigenen Grenzen beachten

Kirchenratspräsident Pfarrer Christoph Weber-Berg und Kirchenrat Beat Maurer stellten in ihrer dreiteiligen Predigt die Jahreslosung 2022 in den Mittelpunkt, das Wort Jesu «Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstossen.» (Johannes 6,37). Diese Ansage Jesu sei eine grosse Herausforderung für alle Menschen und kirchlichen Mitarbeitenden, die sich in der Nachfolge Jesu sehen, erklärte Weber-Berg: «Wenn wir ernst nehmen, dass Jesus niemanden abweist, leiten wir daraus einen diakonischen Auftrag ab, der uns in seiner Radikalität immer wieder überfordert.» Kirchenrat und Sozialdiakon Beat Maurer führte diese Gedanken selbstkritisch weiter: «Von dieser bedingungslosen Willkommenskultur ist im Alltag unserer Gesellschaft wenig zu finden.» Auch in der Kirche würden die Mitarbeitenden immer wieder an Grenzen stossen: «Unsere finanziellen, aber auch die persönlichen Ressourcen sind begrenzt, und darum können wir nicht unbegrenzt geben.» «Im Sinne einer gesunden Work-Life-Balance» ermahnte Maurer die neuen Mitarbeitenden, «neben der Arbeit regelmässig Zeiten der Erholung einzuplanen, losgelöst von der Not anderer.» Er versteht deshalb «die von Jesus angebotene Bedingungslosigkeit als eine Frage der Haltung. Wir stehen allen Menschen zur Seite, unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Berufsbildung und auch unabhängig davon, ob sie ihre Notsituation selber verschuldet haben oder nicht.» Weil die Möglichkeiten des Einzelnen begrenzt seien, ist es so wichtig, betonten Maurer und Weber-Berg gemeinsam, dass «unsere Kirche auf Teamarbeit und Gemeinschaft ausgelegt ist. Gemeinschaft untereinander und Gemeinschaft mit Gott.» In diese Gemeinschaft würden acht Frauen und Männer jetzt durch die Ordination aufgenommen.

Feierliche Ordinationshandlung

Zur feierlichen Ordinationshandlung versammelten sich nach der Pandemiezeit wieder zum ersten Mal alle Beteiligten und die weiteren im Gottesdienst anwesenden Ordinierten im vorderen Teil der Kirche – als Zeichen, dass die neu Ordinierten in eine Gemeinschaft von ordinierten Mitarbeitenden aufgenommen werden.
Kirchenratspräsident Pfr. Christoph Weber-Berg ordinierte mit einem Segenswunsch nach dem Theologiestudium und der Praxisausbildung vier Pfarrerinnen und einen Pfarrer: Regula Blindenbacher, Claudia Daniel-Siebenmann, Noemi Heggli, Tanja Grünig und Stephan Gassler.

Erfahrene Frauen und Männer mit einer langen beruflichen Karriere

Regula Blindenbacher hat nach einem Wirtschaftsstudium und einer beruflichen Karriere in Wirtschaft und Politik ihre Ausbildung im Theologiestudium für Quereinsteiger, «Quest», gemacht und ihr Vikariat in der Kirchgemeinde Holderbank-Möriken-Wildegg absolviert, wo sie als neue Pfarrerin auch bleiben wird. Claudia Daniel-Siebenmann hat nach ihrem Agronomie-Studium und der Berufstätigkeit am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick ebenfalls die «Quest»-Ausbildung gemacht und anschliessend das Vikariat in der Kirchgemeinde Mellingen absolviert. Sie wird demnächst Kommunikationsleiterin in der Reformierten Landeskirche Aargau. Stephan Gassler war viele Jahre Pfarrer in der Ev.-methodistischen Kirchgemeinde Liestal BL und wird nun zusammen mit einer berufsbegleitenden theologischen Zusatzausbildung Pfarrer in der reformierten Kirchgemeinde Muhen. Tanja Grünig hat nach dem Studium der Theologie und der Kunstgeschichte das Vikariat in der Kirchgemeinde Zofingen absolviert und wird Pfarrerin in der Reformierten Kirchgemeinde Solothurn. Noemi Heggli wird nach dem Theologiestudium und dem Vikariat in Gossau ZH Pfarrerin in der Kirchgemeinde Oberentfelden.

Kirchenrat Sozialdiakon Beat Maurer, ordinierte ebenfalls mit einem persönlich zugesprochenen Segen zwei Sozialdiakoninnen und einen Sozialdiakon: Nadine Brauchli Weiss, Kirchgemeinde Frick, Monika Jufer, Kirchgemeinde Baden, und Raphael Nishanta Bachmann, Kirchgemeinde Othmarsingen. Die Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone sind nach ihrer Ausbildung bereits vor der Ordination in einer Kirchgemeinde tätig und bleiben in der Regel nach der Ordination in der Kirchgemeinde, in der sie bisher angestellt waren.

Gute Wünsche und Geschenke mit auf den Weg

Die Ausbildungsverantwortlichen oder Vertreterinnen der Ausbildungsgemeinden gaben den acht Ordinierten Bibel- und Segensworte mit auf den Weg. Anschliessend richtete die Präsidentin des Rats der Ev.-ref. Kirche Schweiz, EKS, Pfrn. Rita Famos, ihr Grusswort an die die Ordinierten und schenkte ihnen Kerzen für ihre persönliche Andacht. Sie ging auf die immer schwieriger werdende Mitgliedersituation der Kirchen in Europa ein, betonte aber auch mit Blick auf die kurz bevorstehende Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen in Karlsruhe, dass das Christentum weltweit gesehen immer noch eine der am stärksten wachsenden Religionen sei.

Pfarrerin Kristin Lamprecht begrüsste die neuen Kolleginnen und Kollegen im Namen des Vorstands des Pfarrkapitels und schenkte ihnen Senfsamen in Anspielung auf biblische Motive und die Aufgabe, in der Gemeinde das Wort Gottes zu säen. Maria Trost-Hansemann hiess die neuen Mitarbeitenden im Namen des Vorstands des Diakonatskapitels mit Wasserflaschen willkommen, die daran erinnern sollen, dass sie immer wieder die Quelle ihrer Kraft suchen müssten.


Die Basler Vokalsolisten umrahmten die Feier musikalisch unter Leitung von Dieter Wagner, der auch an der Orgel sass.

verfasst von
Frank Worbs
Fotoalbum von der Ordination am 21. August 2022 im flickr-Kanal der Landeskirche